Bundespreis für Hoyerswerdas Stadtbibliothek
Auszeichnung würdigt Bildung, Demokratie und Beteiligung
Die Brigitte-Reimann-Stadtbibliothek Hoyerswerda hat am 30. Oktober den bundesweiten Preis „Bibliothek des Jahres in kleinen Kommunen und Regionen 2026“ erhalten. Die mit 7.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt ein Konzept, das Demokratie, Bildung, Nachhaltigkeit und Partizipation verbindet. Dazu gehört das Gesprächsformat „Frag den OB“, das nach Einschätzung der Jury den Austausch mit politischen Entscheidungsträgern erleichtert.
Gespräche mit der Stadtpolitik als Teil des Konzepts
Die Bundesvorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes (dbv), Antje Theise, überreichte den Preis vor Ort in Hoyerswerda. Die Jury bewertet die Bibliothek als unabhängigen Begegnungs- und Diskursort. Angebote wie „Frag den OB“ böten einen niedrigschwelligen Zugang zur Politik und stärkten das Vertrauen in demokratische Prozesse.
Theise sieht in der Demokratiearbeit, der Beteiligung der Bevölkerung und der Vernetzung der Einrichtung ein übertragbares Modell insbesondere für kleinere Bibliotheken. Sie begründet dessen Bedeutung auch mit einem aus ihrer Sicht getrübten Vertrauen in Politik und demokratische Strukturen. Die Bibliothek verbinde Bildung, Kultur und gesellschaftliche Teilhabe und mache Demokratie im Alltag erfahrbar.
Ein öffentlicher Ort ohne Konsumzwang
Bibliotheksleiterin Maja Kos versteht die Auszeichnung als Wertschätzung und Ermutigung. Sie betont den offenen und konsumfreien Zugang zu Information, Bildung, Kultur und Begegnung. Ihr Ziel sei ein Ort, an dem Menschen eigene Perspektiven entwickeln, miteinander sprechen und die Stadtgesellschaft mitgestalten können.
Kos schreibt den Erfolg ausdrücklich auch den Menschen, Partnerinnen und Partnern, Initiativen und Institutionen zu, die gemeinsam mit dem Team Angebote und Ideen entwickeln. Bereits am 27. Juli hatte der Bibliotheksverband Sachsen die Auszeichnung bekanntgegeben. Dessen Vorsitzender Lars Rohwer würdigte dabei die Entwicklung der Bibliothek zu einem zentralen Ort der Stadtgesellschaft, an dem Bürgerinnen und Bürger mitgestalten.
Eigene Auszeichnung für kleinere Orte seit 2020
Der dbv vergibt den zusätzlichen Preis seit 2020 an Bibliotheken in Kommunen oder Regionen mit bis zu 50.000 Einwohnern. Für die beiden bundesweiten Bibliothekspreise gingen 2026 insgesamt 87 Bewerbungen ein.
Die allgemeine Auszeichnung „Bibliothek des Jahres 2026“ geht an das ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften in Köln und ist mit 20.000 Euro dotiert. Über beide Preise entscheidet eine Jury mit Vertretungen aus Bibliothekswesen, Bundesministerium, Kultusministerkonferenz und Deutschem Städtetag.
Hoyerswerda erhält damit die bundesweite Ehrung in der eigens für kleinere Kommunen und Regionen geschaffenen Kategorie.