L.o Redaktion | Stadt Spremberg
Gestohlene Stolpersteine in Spremberg ersetzt
Junge und ältere Spremberger begleiten die erneute Verlegung
Die gestohlenen Stolpersteine für Ellen und Nathan Bernfeld sind in der Spremberger Pfortenstraße ersetzt worden. Junge und ältere Spremberger nahmen daran Anteil. Unbekannte hatten die beiden Gedenksteine am 22. August aus dem Gehweg gerissen und entwendet. Damit gibt es in Spremberg/Grodk wieder 18 Stolpersteine.
Erinnerung am früheren Wohnort
Die mit Messingplatten versehenen Steine kehrten an den Ort zurück, an dem der Künstler Gunter Demnig sie am 4. Oktober 2023 verlegt hatte. Sie sind zehn mal zehn Zentimeter groß. Für Bürgermeisterin Christine Herntier war es eine Selbstverständlichkeit, dass die Erinnerung an das Ehepaar dort wieder ihren Platz erhält.
Die Verlegung der Stolpersteine in Spremberg/Grodk geht maßgeblich auf die Initiative der AG Spurensuche der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Perle der Lausitz zurück. Die Steine für die Bernfelds erinnern an zwei Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt wurden und nach dem Krieg beim Wiederaufbau der Stadt halfen.
Aus dem Fabrikdirektor wurde ein Zwangsarbeiter
Nathan Bernfeld wurde am 17. Mai 1872 in Swittawka bei Brünn geboren. Nach einer Lehre in einer Tuchfabrik von Moses Löw-Beer führte ihn sein Berufsweg über Sagan und Luckenwalde nach Spremberg. Dort arbeitete er ab 1925 als Fabrikdirektor bei Schnabl und Michelsohn & Ascher.
Nach der Reichspogromnacht wurde ihm der Zugang zu den Textilfabriken verwehrt. Er verlor später seine tschechoslowakische Staatsangehörigkeit und musste als staatenloser Jude in Spremberg Zwangsarbeit leisten. Mit seiner Frau zog er in eine Wohnung des Tuchmachers Heinze in der Pfortenstraße.
Im Januar/Februar 1945 wurde Nathan Bernfeld verhaftet und in das Berliner Sammellager in der Schulstraße 78 verschleppt. Zur weiteren Deportation in ein Vernichtungslager kam es nicht mehr. Er überlebte und kehrte nach Spremberg zurück.
Ellen Bernfeld hielt trotz Schikanen zu ihrem Mann
Ellen Bernfeld, geb. Hanisch, wurde am 16. Januar 1898 in Luckenwalde geboren und arbeitete im Geschäft ihrer Eltern. Am 19. März 1932 heiratete sie Nathan Bernfeld. Wegen ihrer Ehe mit einem Juden setzte das NS-Regime sie unter Druck. Sie ließ sich trotz der Schikanen nicht scheiden. Nach der Verschleppung ihres Mannes wurde auch sie zur Zwangsarbeit verpflichtet.
Nach Kriegsende war Nathan Bernfeld wesentlich am Aufbau des Textilwerkes Spremberg beteiligt und stand ihm bis zu seinem Tod am 19. Januar 1950 als Werkdirektor vor. Ellen Bernfeld lebte bis zu ihrem Tod am 13. Februar 1955 in Spremberg.
In der Pfortenstraße erinnern die beiden ersetzten Steine wieder an ihre Lebenswege.
Foto: Stadt Spremberg
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