30. Max-Grünebaum-Preisverleihung
Vier Nachwuchskräfte aus Forschung und Theater geehrt
Die Max Grünebaum-Stiftung hat am Sonntag, 08.11.2026, vier Nachwuchskräfte der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und des Staatstheaters Cottbus ausgezeichnet. Die 30. Preisverleihung fand im Großen Haus des Staatstheaters statt. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 17.000 € vergeben.
BTU-Präsidentin Prof. Dr. Gesine Grande, die zugleich dem Kuratorium der Stiftung vorsitzt, Intendant Berthold Schneider und Oberbürgermeister Tobias Schick eröffneten den Festakt. Das Jubiläum fiel in ein besonderes Gedenkjahr: Der Geburtstag des Cottbuser Tuchfabrikanten und Ehrenbürgers Max Grünebaum jährte sich am 6. November zum 175. Mal.
Die Preisträger im Überblick
- Den mit 5.000 € dotierten Max-Grünebaum-Preis der BTU erhielt die Informatikerin Dr.-Ing. Asya Mitseva für ihre mit „summa cum laude“ bewertete Dissertation zur Privatsphäre im Internet.
- Der ebenfalls mit 5.000 € dotierte Max-Grünebaum-Preis des Staatstheaters ging an den Tänzer Alyosa Forlini.
- Den Ernst-Frank-Förderpreis in Höhe von 3.500 € erhielt die Biotechnologiestudentin Klara Richter. Das Geld ermöglicht ihr einen Forschungsaufenthalt am Institute of Cancer Research in London.
- Mit dem Karl-Newman-Förderpreis in Höhe von 3.500 € wurde Leonora Mense ausgezeichnet. Die Dramaturgin des Staatstheaters nutzt die Förderung für eine Studienreise nach London.
Forschung zur Privatsphäre im Netz
Asya Mitseva untersuchte in ihrer Dissertation „State of Affairs in Online User Privacy“, wie zuverlässig Anonymisierungsdienste wie das Tor-Netzwerk vor Überwachung schützen. Zwar bleiben Inhalte und Identität verborgen, doch Anzahl, Richtung und Zeitpunkt der Datenpakete können Rückschlüsse auf das Surfverhalten zulassen.
Mitseva entwickelte Analysemethoden, die bei mehr als der Hälfte der untersuchten Webseiten jeden Besuch fehlerfrei erkannten. Zudem erarbeitete sie eine kostengünstige Abwehrmethode, bei der der Datenverkehr auf mehrere Tor-Pfade verteilt wird. Die Ergebnisse kommen bereits beim Schutz von Smart-Meter-Daten im Energieinnovationszentrum der BTU sowie von Patientendaten in 5G-Campusnetzen zum Einsatz. Seit Januar 2026 leitet Mitseva die Nachwuchsgruppe „CO-SYS – Control Systems and Cyber Security Lab“.
Forschungsaufenthalt in London
Klara Richter studiert seit Oktober 2023 Biotechnologie an der BTU. Im Praxissemester forschte sie zu Signalwegen bei der Entwicklung von Muskelzellen. Zuvor untersuchte sie als studentische Hilfskraft, wie Lebensmittelabfälle mithilfe eines Pilzes als Grundlage für Garnelenfutter verwertet werden können.
Ihre Bachelorarbeit schreibt Richter am Institute of Cancer Research in London. Dort beschäftigt sie sich mit der Erforschung des Rhabdomyosarkoms, einer bösartigen Weichteiltumorerkrankung. Neben ihrem Studium engagiert sie sich im Fachschaftsrat und im Studentenrat am Standort Senftenberg.
Auszeichnungen für das Staatstheater
Alyosa Forlini gehört seit der Spielzeit 2019/20 zum Ballettensemble des Staatstheaters Cottbus. Der in Italien geborene Tänzer übernahm zahlreiche Hauptrollen und wirkte unter anderem in „Der Nussknacker“, „Endstation Sehnsucht“ und „Fade outs“ mit. Aktuell steht er in „Aschenbrödel“, „Da Vinci“, „Im Verborgenen“ sowie als Tybalt in „Romeo und Julia“ auf der Bühne. Als langjähriges Mitglied des Ballettvorstands wirkte er zudem an der Entwicklung des Ensembles mit.
Leonora Mense kam mit Beginn der Spielzeit 2025/26 als Dramaturgin für Musiktheater, Ballett und Konzert nach Cottbus. Sie begleitete unter anderem die Produktionen „AscheMOND oder The Fairy Queen“, „Nabucco“ und „Aschenbrödel“. In der aktuellen Saison betreut sie „Romeo und Julia“ sowie die Ballett-Uraufführung „Dracula Dracula Dracula“.
Projektwoche verbindet Forschung und Bühne
Neben den Einzelpreisen finanziert die Stiftung jährlich die Projektwoche „Forschendes Theater“ mit 10.000 €. In diesem Jahr beschäftigte sich die Klasse 10a der Theodor-Fontane-Schule mit dem Thema Energie. Die Schüler besuchten neben den Probebühnen des Staatstheaters auch den Tagebau Welzow-Süd und das DLR-Institut für CO₂-arme Industrieprozesse.
„Mit diesem pädagogischen Projekt schlagen wir genau jene Brücke, die Max Grünebaum zeitlebens am Herzen lag: Wir bringen junge Menschen mit Wissenschaft und Kunst zusammen, denn wenn Schülerinnen und Schüler auf der Probebühne stehen und zugleich Forschungseinrichtungen unserer Region erkunden, erleben sie kreatives Schaffen und wissenschaftliches Arbeiten unmittelbar“, erklärt BTU-Präsidentin Prof. Dr. Gesine Grande.
Erstmals konnten sich Cottbuser Schulen für die kommenden Projektwochen bewerben. Die Gewinner wurden während der Preisverleihung ausgelost.
Stiftung erinnert an Max Grünebaum
Die Stiftung erinnert an den Cottbuser Tuchfabrikanten und Ehrenbürger Max Grünebaum, der von 1851 bis 1925 lebte. Seine Familie wurde während des Nationalsozialismus enteignet und aus Deutschland vertrieben. Nach der Wiedervereinigung gründeten seine Nachkommen die Stiftung mit der erhaltenen Entschädigung als Zeichen der Versöhnung.
Seit 1997 würdigt die Stiftung Leistungen von Künstlern des Staatstheaters Cottbus. Seit 2020 werden zudem Wissenschaftler der BTU Cottbus-Senftenberg ausgezeichnet.