Länderaustausch: Stärkung sorbische Sprache
Unterrichtslücken zeigen bereits Bedarf an entsprechenden Lehrkräften
An der BTU Cottbus-Senftenberg sind Anfang Oktober 2026 zwei Lehramtsstudiengänge für Sorbisch/Wendisch gestartet. Die neue Grundschullehrerausbildung beginnt bei anhaltendem Personalmangel im sorbischen Bildungswesen: Am Niedersorbischen Gymnasium konnte bilingualer Sachfachunterricht im vorangegangenen Schuljahr so nur vereinzelt stattfinden. Lehrkräftebildung war ein Schwerpunkt des Austauschs zwischen Brandenburg, Sachsen und der Domowina am 27. Oktober.
Fünf Studierende beginnen in Cottbus
Fünf Studierende haben ihre Plätze in den Studiengängen Deutsch-Sorbisch/Wendisch und Mathematik-Sorbisch/Wendisch angenommen. Beide Angebote richten sich an künftige Lehrkräfte der Primarstufe und sind auf Brandenburgs sechsjährige Grundschule zugeschnitten. Die Ausbildung findet damit im sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet selbst statt. Für die Lehre gewann die BTU eine Mitarbeiterin mit Erfahrung in Wissenschaft und Schulpraxis.
Das Angebot ergänzt die Sorabistik an der Universität Leipzig, deren Institut Brandenburg weiterhin mitfinanziert. Domowina-Vorsitzender Dawid Statnik begrüßt den Studienstart als Stärkung der Ausbildung künftiger Lehrkräfte.
Wie angespannt die Personalsituation auch an der weiterführenden Schule ist, zeigt das Niedersorbische Gymnasium Cottbus: Dort fehlten trotz des Starts mit neuen sorbischen Lehrkräften weiterhin Lehrkräfte. Der nur vereinzelt mögliche bilinguale Sachfachunterricht im vorherigen Schuljahr betraf damit eine weitere Stufe der sorbischen Bildung neben der Grundschule, auf die das neue BTU-Angebot ausgerichtet ist.
Niedersorbisch in der digitalen Verwaltung
Neben der Ausbildung berieten die Länder und die Domowina über digitale Sprachangebote. Brandenburg hat Niedersorbisch so zum Auswahlkriterium für einen KI-Assistenten der Landesverwaltung gemacht. Seit dem 7. September 2026 läuft dort ein Pilotbetrieb mit LLMoin, einem datenschutzkonform betriebenen Sprachmodell-Angebot von Dataport. Perspektivisch sollen auch Kommunen das Angebot nutzen können.
Das Übersetzungsprogramm sotra des WITAJ-Sprachzentrums der Domowina arbeitet für Niedersorbisch außerdem bereits mit rund 270.000 bilingualen Satzpaaren. Brandenburg und Sachsen verständigten sich über eine Erweiterung dieser Datenbasis, besonders um Verwaltungstexte. Dabei sind Rechtefragen und die Unterschiede zwischen Ober- und Niedersorbisch zu berücksichtigen. Ausgewählte Leistungen im brandenburgischen Landesserviceportal sind bereits auf Niedersorbisch verfügbar.
Weitere Verpflichtungen zum Sprachenschutz
Brandenburg will für Niedersorbisch, Sachsen für Obersorbisch weitere Verpflichtungen nach Teil III der Europäischen Sprachencharta übernehmen. Diese betreffen unter anderem Unterricht, Behörden, Gerichte und Medien. Weil die Umsetzung über eine Rechtsverordnung des Bundes erfolgt, stimmen beide Länder ihr Vorgehen ab.
Zu Brandenburgs Schwerpunkten gehören außerdem die Attraktivität sorbisch/wendischer pädagogischer Berufe, E-Government und sorbische/wendische Ortsnamen.
Noch bis zum 31. Oktober läuft die Ausschreibung für den Mina-Witkojc-Preis, mit dem Brandenburg Engagement für die niedersorbische Sprache auszeichnet.