Trotz Konjunktur bleibende Skepsis in der Lausitz
Niederlausitzer Wirtschaft gegenläufig zum Bundestrend
Südbrandenburgs Wirtschaft zeigt im Herbst 2026 Anzeichen einer Stabilisierung, bleibt aber skeptisch für die kommenden Monate. Damit verläuft die Entwicklung gegenläufig zum bundesweiten Stimmungsbild: Dort steigen die Erwartungen bei schwächerer Geschäftslage. Bessere laufende Geschäfte bringen regional bislang keine Zuversicht – das zeigen die Herbstbefragungen von Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern.
Südbrandenburgs Handwerk legt bei Aufträgen zu
Im IHK-Kammerbezirk Cottbus melden 28 Prozent der befragten Unternehmen eine gute Geschäftslage. Weitere 55 Prozent berichten von gleichbleibenden Geschäften, 17 Prozent verzeichneten im vergangenen halben Jahr ungünstige Geschäfte. Brandenburgweit steigt der IHK-Konjunkturklimaindex gegenüber dem Frühsommer um sieben auf 93 Punkte. Er bleibt damit unter der neutralen Marke von 100 Punkten.
Auch das südbrandenburgische Handwerk bewertet seine Lage etwas besser: 77,2 Prozent beurteilen sie als gut oder befriedigend, nach 76,4 Prozent im Vorjahr. Landesweit sinkt dieser Anteil dagegen von 82,5 auf 80,2 Prozent; West- und Ostbrandenburg verzeichnen Rückgänge.
Zugleich wächst die durchschnittliche Auftragsreichweite im südbrandenburgischen Handwerk von 8,5 auf 10 Wochen. Landesweit steigt sie lediglich von 9,4 auf 9,6 Wochen. Die regional bessere Auslastung geht jedoch weiterhin mit überwiegend negativen Geschäftserwartungen einher.
Bundesweit steigen die Erwartungen
Im südbrandenburgischen Handwerk liegt der Saldo aus positiven und negativen Geschäftserwartungen bei minus 14,5 Punkten. In allen drei Handwerkskammerbezirken überwiegt die Skepsis. Landesweit rechnen 26,7 Prozent der Betriebe mit einer Verschlechterung und 12,1 Prozent mit einer Verbesserung.
Bundesweit zeigt die ifo-Befragung im Oktober 2026 die umgekehrte Richtung: Der Erwartungsindex steigt von 90,4 auf 91,6 Punkte, während die Lagebewertung von 89,5 auf 88,8 Punkte sinkt. Industrieunternehmen melden steigende Neuaufträge und planen eine Produktionsausweitung. Die unterschiedlichen Befragungen erlauben keinen direkten Vergleich der Indexstände; ihre Entwicklungen verdeutlichen aber den Gegensatz zwischen regionaler Skepsis und wachsender bundesweiter Zuversicht.
Investitionszurückhaltung beschäftigt die Kammern
Laut IHK Potsdam investieren derzeit nur noch 56 Prozent der Unternehmen. Einen so niedrigen Wert gab es zuletzt 2020 während der Corona-Krise. Hauptgeschäftsführer Christian Herzog warnt, fehlende Investitionen bremsten künftiges Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.
Der Cottbuser IHK-Chef André Fritsche sieht Industrie und Handel durch hohe Kosten und schwache Nachfrage unter Druck. Er fordert verlässliche Regierungsvorhaben und eine Stromsteuersenkung für alle Unternehmen. Handwerkspräsident Robert Wüst verlangt niedrigere Lohnnebenkosten, weniger Berichts- und Dokumentationspflichten sowie verlässliche Rahmenbedingungen. Energiepreise, Bürokratie und steigende Lohnnebenkosten bremsen nach seiner Einschätzung Investitionen.