Fast 550 Kita-Plätze in Görlitz vor dem Aus
Über 700 Plätze sind unbelegt – Entscheidung am 29.10.
In Görlitz sollen sechs Kitas geschlossen und bis 2029 fast 550 Betreuungsplätze gestrichen werden. Über 700 Plätze sind derzeit unbelegt, die durchschnittliche Auslastung liegt bei 84 Prozent. Über die geplanten Schließungen soll der Stadtrat am Donnerstag, 29.10., entscheiden. Bürgermeister Benedikt Hummel verweist auf die demografische Entwicklung: Seit 2017 sinken die Geburtenzahlen in der Stadt.
Schließungen zwischen 2027 und 2029 geplant
Die Pläne betreffen Einrichtungen in fünf Stadt- beziehungsweise Ortsteilen. Als erste soll die Kita Zum Storchennest in Ludwigsdorf zum 31.07.2027 schließen. Für die Kita Himmelszelt in Rauschwalde ist der 31.12.2027 vorgesehen. Es folgt die kommunale Kita Kleeblatt in Weinhübel zum 31.07.2028. Sie soll schrittweise mit der Freinet-Kita zusammengeführt werden.
Zum 31.12.2028 sind die Schließungen der Kita Lustiger Borstel in Königshufen und der kommunalen Krippe Haus der kleinen Hände in der Innenstadt geplant. Den Abschluss bildet das ebenfalls kommunale Kinderhaus Sonnenschein in der Innenstadt zum 31.07.2029. Damit befinden sich drei der sechs betroffenen Einrichtungen in städtischer Trägerschaft.
Landkreis passt die Bedarfsplanung jährlich an
Für die Kindertagesbetreuung im Landkreis Görlitz gilt der Bedarfsplan für die Schuljahre 2025/26 bis 2027/28, den der Jugendhilfeausschuss am 05.03.2026 beschlossen hat. Er enthält Zahlen zum erforderlichen Betreuungsangebot für jede Stadt und Gemeinde und wird jährlich fortgeschrieben.
Als bedarfsgerecht bewertet der Landkreis dabei eine Bedarfsdeckung von 60 Prozent in der Krippe, 100 Prozent im Kindergarten und 85 Prozent im Hort. Während in Görlitz nun der Abbau von Plätzen für die frühkindliche Betreuung zur Entscheidung steht, baut die Stadt für ältere Kinder so derzeit gleichzeitig eine neue Oberschule.
Demografischer Wandel reicht über Görlitz hinaus
Diese Entwicklung fügt sich in eine deutschlandweite Entwicklung ein: Auch bundesweit verändert sich die Altersstruktur. Nach allen Varianten der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wird 2035 jede vierte Person mindestens 67 Jahre alt sein; 2024 war es jede fünfte. Mit dem Übergang der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand und dem Nachrücken kleinerer Jahrgänge sinkt zugleich die Zahl der Menschen im Erwerbsalter von 20 bis 66 Jahren. Bis 2070 beträgt dieser Rückgang in allen Berechnungsvarianten mindestens 4,0 Millionen.
Insbesondere für die ostdeutschen Flächenländer ergeben die Berechnungen bis 2070 dabei eine gegenüber 2024 um 14 bis 30 Prozent kleinere Bevölkerung.
Über die sechs geplanten Kita-Schließungen in Görlitz entscheidet zunächst die Abstimmung im Stadtrat am 29.10.