Rückenwind für Lausitzer Einstein-Teleskop
57 Kommunen stärken Bewerbung, gemeinsame Bewerbung mit Sardinien
Die Bewerbung der Lausitz um das Einstein-Teleskop erhält kommunalen Rückhalt und ein wissenschaftliches Argument für die Zusammenarbeit mit Sardinien: In Berlin wurden am 3. November Unterstützungsschreiben aller 57 Städte und Gemeinden des Landkreises Bautzen an die Bundesregierung übergeben. Zugleich sieht eine aktuelle Analyse Vorteile für eine auf zwei Standorte verteilte Doppel-L-Konstruktion, auf die Sachsen und Sardinien gemeinsam setzen.
Kommunaler Rückhalt erreicht die Bundesregierung
Der Kamenzer Oberbürgermeister Michael Preuß überreichte die Schreiben bei einem Forum mit Vertretern aus Politik, Forschung und Wirtschaft an die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser. Bereits im September hatten der Landkreis und der SSG-Kreisverband Bautzen die gesammelten Schreiben dem Projektteam der TU Dresden übergeben. Die Berliner Übergabe trägt diese Unterstützung nun auf die Bundesebene.
Kaiser bezeichnete das Vorhaben als Treiber für High-Tech-Schlüsseltechnologien wie Quantenoptik und modernste Lasertechnik. Landrat Udo Witschas verbindet damit die Hoffnung, den Strukturwandel langfristig abzusichern und neue Perspektiven für Wissenschaft, Wirtschaft und Bevölkerung zu schaffen. Bei einem Zuschlag für die Lausitz wäre der Landkreis Bautzen der zentrale Standort.
Zwei Standorte statt eines Dreiecks
Sachsen und Sardinien verfolgen seit ihrer wissenschaftlichen Partnerschaft im Sommer 2026 eine gemeinsame Bewerbung. Vorgesehen ist eine geteilte Forschungsinfrastruktur als Doppel-L: ein Teil im Lausitzer Granit, der andere am stillgelegten Bergwerk Sos Enattos bei Lula auf Sardinien.
Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow besichtigte den italienischen Standort auf Einladung von Wissenschaftsministerin Anna Maria Bernini. Die aktuelle Analyse „Geometrie Comparison Report“ sieht einen größeren wissenschaftlichen Nutzen der Doppel-L-Variante gegenüber einer Dreieck-Konstruktion. Gemkow wertet das als Bestätigung der gemeinsamen Bewerbung; Bernini bezeichnet die Doppel-L-Konfiguration als bevorzugte Lösung der wissenschaftlichen Gemeinschaft.
Damit tritt Sardinien in dieser Bewerbung als Partner Sachsens auf. Im europäischen Standortwettbewerb steht außerdem die Euregio Maas-Rhein mit Belgien, den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen. Die Standortentscheidung wird voraussichtlich 2027 erwartet.
Lausitzer Granit wird weiter untersucht
Die vom Bund geförderte Machbarkeitsstudie unter Leitung der TU Dresden läuft noch bis Anfang 2027. Untersucht wird der Granitstock im Städtedreieck Bautzen - Kamenz - Hoyerswerda. Fachleute sehen in der geringen seismischen Aktivität und den stabilen geologischen Bedingungen günstige Voraussetzungen für die empfindlichen Messungen.
Das unterirdische Observatorium soll Gravitationswellen etwa zehnmal präziser messen können als bisherige Anlagen. Diese Wellen wurden 2015 erstmals direkt nachgewiesen. Das Projekt soll weitere Einblicke in das Universum und die Grundlagen der Physik ermöglichen.
Für die Standortwahl zählen wissenschaftliche, technische und wirtschaftliche Kriterien sowie die politische und gesellschaftliche Unterstützung vor Ort.