Brandbrief aus Burg: Preis für zwei Lehrkräfte
Karl-Küpper-Preis würdigt Einsatz gegen Rechtsextremismus
Laura Nickel und Max Teske haben am Sonntag, 25.10.2026, in Köln den Karl-Küpper-Preis für Zivilcourage erhalten. Die beiden Lehrkräfte hatten 2023 rechtsextreme und menschenfeindliche Vorfälle an ihrer Schule in Burg im Spreewald öffentlich gemacht. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt ihren damaligen Schritt und ihr fortgesetztes Engagement für Demokratiebildung.
Vom Brandbrief zur persönlichen Bedrohung
Ende April 2023 schilderten Nickel und Teske in einem Brandbrief die Zustände an ihrer damaligen Grund- und Oberschule. Nach ihrer Darstellung waren sie dort täglich mit Rechtsextremismus, Sexismus und Homophobie konfrontiert. Sie berichteten von Hakenkreuzen auf Schulmobiliar, rechtsextremer Musik und Parolen auf dem Schulflur.
Die Veröffentlichung löste bundesweite Aufmerksamkeit und Debatten bis in den Brandenburger Landtag aus. Zugleich gerieten die beiden ins Visier der rechten Szene und wurden in einem sozialen Netzwerk bedroht. Beide haben die Schule inzwischen verlassen. Nach den Sommerferien 2023 wurde dort ein neuer Schulleiter eingesetzt, der gegen rechtsradikales Gedankengut und Mobbing vorgehen sollte.
Brandenburg änderte nach dem Fall das Schulgesetz
Brandenburg verschärfte infolge des Falls 2024 sein Schulgesetz. Rassistische oder antisemitische Vorfälle sowie die Verherrlichung des Nationalsozialismus müssen seitdem sofort gemeldet werden. Damit hatte der Protest der Lehrkräfte auch Folgen für den Umgang mit solchen Vorfällen an Schulen im Land.
2026 veröffentlichten Nickel und Teske außerdem ein Buch. Darin beschäftigen sie sich mit den Ereignissen an ihrer früheren Schule und mit Maßnahmen gegen den Rechtsruck in Klassenzimmern. Nickel erklärte im März rückblickend, die große Aufmerksamkeit und das Medienecho hätten sie selbst überrascht.
Ehrung erinnert an Widerstand im Karneval
Den Preis verliehen die Stadt Köln, das Festkomitee Kölner Karneval und der Verein der Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums. Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) würdigte den Einsatz der beiden gegen Ausgrenzung, Antisemitismus und Rassismus. Er sieht darin einen Beitrag zur demokratischen Kultur angesichts politischer Positionen, die zentrale Werte des Grundgesetzes missachteten.
Die Laudatio hielt der Kölner Künstler Eko Fresh. Der 2020 anlässlich des 50. Todestages von Karl Küpper gestiftete Preis erinnert an den Karnevalisten, der auf der Bühne gegen den Nationalsozialismus Stellung bezog. Er wurde zum vierten Mal vergeben; frühere Preisträger sind Carola Rakete, Rolly Brings und Gunter Demnig.
Nickel und Teske widmeten die Ehrung ihren ehemaligen Schülerinnen und Schülern, die weiterhin Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren.