L.o Redaktion | Land Brandenburg
Branitz erinnert an Pücklers Bestseller
Neue Edition erinnert an den großen Erfolg Pücklers Reisebriefe
Hermann von Pücklers „Briefe eines Verstorbenen“ waren einst ein Bestseller: Die anonym veröffentlichten Reisebriefe machten den Fürsten zu einem erfolgreichen Schriftsteller und brachten dringend benötigte Einnahmen. Jetzt ist im Schloss Branitz eine Jubiläumsedition vorgestellt worden. Anlass ist der 200. Jahrestag seines Aufbruchs nach England, Wales, Irland und Frankreich.
Ein literarischer Erfolg weit über Muskau hinaus
Die Briefe erschienen 1830. Ihr Erfolg war so groß, dass Pückler in den folgenden Jahren weitere Bücher, vor allem Reisebeschreibungen, veröffentlichte. Wie bekannt der Autor damals war? Bei der Auflagen seiner Bücher wurde er nur von Goethe übertroffen.
Die ursprünglich privaten Schreiben an Lucie verbanden Reisebeobachtungen mit Schilderungen des gesellschaftlichen Lebens. Pückler beschrieb London und berichtete über Begegnungen und ungewöhnliche Vorführungen. Aus seiner Korrespondenz wurde so eine Lektüre für ein breites Publikum. Kulturstaatssekretär Tobias Dünow bezeichnete die „Briefe eines Verstorbenen“ bei der Präsentation als den größten literarischen Erfolg des Fürsten.
Die gescheiterte Brautsuche brachte einen Bestseller
Hinter der Reise stand eine finanzielle Notlage. Pückler hatte 1811 die Standesherrschaft Muskau geerbt und 1815 mit seinem Landschaftsgarten begonnen. Das kostspielige Projekt drohte ihn zu ruinieren. Lucie schlug 1823 eine formelle Scheidung vor, damit er in England eine wohlhabende Frau finden konnte. Deren Mitgift sollte Muskau sanieren.
Eine Braut fand Pückler nicht. Während der zweieinhalbjährigen Reise schrieb er jedoch etwa 1.500 Briefseiten an Lucie. Bei seiner Rückkehr waren die Schreiben bereits für den Druck vorbereitet. Der anschließende Bucherfolg half, die finanziellen Schwierigkeiten vorübergehend zu überwinden. Die Veröffentlichung hatte damit neben ihrer literarischen Bedeutung eine unmittelbare wirtschaftliche Wirkung.
Dünow würdigte Lucies Anteil an dieser Geschichte. Hermann und Lucie seien 37 Jahre miteinander verbunden gewesen, obwohl ihre Ehe nach neun Jahren endete. Das Themenjahr „FRAUENREICH Branitz“ rückt sie in den Mittelpunkt.
Neue Ausgabe erschließt die erhaltenen Originalbriefe
Die historisch-kritische Jubiläumsedition bringt den Reisebericht erstmals wieder in seiner ursprünglichen Form heraus. Dafür wurden alle erhaltenen Originalbriefe aus den Jahren 1826 bis 1829 ausgewertet. Die Ausgabe enthält mehr als 300 Farbabbildungen sowie Register und eine Reisechronologie in jedem Band.
Rudolf Kreutner hat die Edition bearbeitet. Herausgeber ist die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz; sie erscheint im Wallstein Verlag. In Branitz aufbewahrte Briefe und Erinnerungsalben wurden dafür umfangreich restauriert.
Damit werden die überlieferten Texte und Bilder der Reise, aus der Pücklers großer Bucherfolg entstand, neu zugänglich.
Foto: SFPM, Christiane Schleifenbaum
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