Guben: Neue Wege bei Versorgung über die Grenze
Minister unterzeichnet Erklärung für gemeinsames Gesundheitszentrum
Brandenburg unterstützt die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung in Guben und Gubin. Gesundheitsminister René Wilke (SPD) hat dazu am 26. Oktober 2026 im Diakoniekrankenhaus Naëmi Wilke Guben eine Absichtserklärung unterzeichnet. Das gemeinsame Gesundheitszentrum bleibt ein langfristiges Ziel. Unter den derzeitigen Bedingungen lässt es sich jedoch nicht rechtssicher verwirklichen.
Weitere Versorgungsmodelle sollen geprüft werden
Die Landesregierung setzt sich deshalb dafür ein, das INTERREG-VI-A-Projekt „Grenzüberschreitende Gesundheitskooperation in der Eurostadt Gubin-Guben“ bis März 2027 zu verlängern. In dieser Zeit sollen verschiedene Versorgungsmodelle geprüft werden. Ziel ist eine belastbare Entscheidungsgrundlage für eine dauerhafte Zusammenarbeit über die Grenze hinweg.
Beteiligt sind das Diakoniekrankenhaus Naëmi Wilke Guben, die Städte Guben und Gubin sowie das Universitätsklinikum Zielona Góra und weitere Akteure. Ihre bisherige Arbeit hat Möglichkeiten der Zusammenarbeit aufgezeigt, zugleich aber rechtliche Schwierigkeiten bei der Gründung eines gemeinsamen Gesundheitszentrums deutlich gemacht.
Facharztangebote könnten sich ergänzen
Auf beiden Seiten der Grenze fehlen seit mehreren Jahren Fachärzte. Die vorhandenen Angebote unterscheiden sich allerdings. Nach einer Analyse von Wilke gibt es auf deutscher Seite lediglich einen Augenarzt, im rund drei Kilometer entfernten Gubin dagegen sechs. Auf deutscher Seite seien wiederum deutlich mehr Zahnärzte, Orthopäden und andere ärztliche Versorgungsstrukturen vorhanden.
Bei der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten hilft deutschen Patientinnen und Patienten seit rund einem Jahr die deutsch-polnische Koordinierungsstelle „Naëmi+“ auf dem Gelände des ehemaligen Gubiner Krankenhauses. Polnische Patientinnen und Patienten können sich an das Internationale Patientenbüro am Diakoniekrankenhaus in Guben wenden. Beide Angebote unterstützen damit bereits die Orientierung im jeweils anderen Land.
Finanzierung und Recht bleiben zentrale Hürden
Unterschiedliche Gesundheitssysteme und Finanzierungsstrukturen erschweren die Zusammenarbeit. Nach dem rbb-Bericht müssen deutsche Patienten Behandlungen in Polen zunächst selbst bezahlen und die Rechnung anschließend zur Erstattung bei ihrer Krankenkasse einreichen. Für einfachere Erstattungsverfahren sollen rechtliche Voraussetzungen geschaffen werden. Im geplanten Zentrum in Gubin sollen deutsche und polnische Patienten künftig mit ihrer jeweiligen Krankenversicherung behandelt werden können.
Unterstützung kommt auch aus der Woiwodschaft Lubuskie. Vizewoiwode Tomasz Nesterowicz verlas einen Brief des Woiwoden Marek Cebula, der rechtliche Wege und klare Verfahren forderte. Joanna Malon sagte im Namen des Marschalls ebenfalls Unterstützung zu. Wilke sieht die Chance, Guben-Gubin als Modellregion zu entwickeln. Für das Diakonissenhaus betonte Prof. h.c. (BUK) Hans-Ulrich Schmidt die Bedeutung der Zusammenarbeit für seine grenznahen Krankenhausstandorte in Guben, Forst und Frankfurt (Oder).
Die angestrebte Projektverlängerung soll nun die Grundlage für die Entscheidung über eine dauerhafte grenzüberschreitende Versorgung schaffen.