Cottbuser Bildungswochen: Freiheit & Unfreiheit
Filmfestival, Gedenkveranstaltungen und Workshops ergänzen sich
Wie politische Systeme persönliche Lebenswege prägen, steht im Mittelpunkt der fünften Themenwochen der AG Politische Bildung in Cottbus/Chóśebuz. Vom 02.11. bis 16.11.2026 verbindet die Reihe „Lebensentwürfe in Freiheit und Unfreiheit“ individuelle Erfahrungen mit historischer Aufarbeitung. Die Zusammenarbeit mit dem Filmfestival Cottbus erweitert den Blick auf Erinnerung, Ausgrenzung und staatliche Repression in Deutschland und Osteuropa.
Filme und Gespräche über persönliche Freiheit
Der Zusammenschluss aus Einrichtungen und Initiativen plant Podiumsgespräche, Filmvorführungen, Ausstellungen, Workshops, Gedenkveranstaltungen und persönliche Begegnungen. Nach dem Anliegen der AG sollen Lebensgeschichten verständlich machen, wie Menschen auf Unrecht reagieren und wie Verfolgung, Krieg und Ausgrenzung über Generationen nachwirken.
Die Eröffnung beginnt am 2. November um 18:00 Uhr in der Theaterkantine Tellheim des Staatstheaters Cottbus. Gäste aus Wissenschaft, Kultur und Gedenkstättenarbeit diskutieren unter dem Titel „Grenzverschiebungen in der Erinnerungskultur. Deutsche und osteuropäische Perspektiven“ darüber, wie gesellschaftliche Umbrüche das Erinnern prägen.
In Kooperation mit dem Filmfestival Cottbus – Festival des osteuropäischen Films werden politische Erfahrungen auch anhand von Dokumentarfilmen behandelt. „Memorial Liquidation“ beschäftigt sich mit der Zerschlagung der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial. I SAW A ‚SUNO‘ von Katalin Bársony behandelt Folgen von Abschiebung, Migration und gesellschaftlicher Ausgrenzung.
Gedenken im Stadtraum und virtuelle Begegnungen
Am 9. November findet um 17:00 Uhr im Jugendkulturzentrum Gladhouse die zentrale Veranstaltung des Landes Brandenburg zum Mauerfall 1989 und zur Friedlichen Revolution statt. Das Landesgedenken ist eine geschlossene Veranstaltung. Anschließend greift das Filmgespräch zu „Tamara“ generationenübergreifende Erfahrungen der deutschen Teilung auf. Das Gedenken an die nationalsozialistischen Novemberpogrome von 1938 steht allen Interessierten offen; um Anmeldung wird gebeten.
Ebenfalls am 9. November ermöglicht der Zeitzeugentruck „In Echt?“ auf dem Vorplatz der Oberkirche St. Nikolai Virtual-Reality-Begegnungen mit fünf jüdischen Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung. Ergänzende Schulworkshops sind in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus vorgesehen.
Am 12. November um 14:00 Uhr wird in der Sielower Landstraße 101 eine Gedenktafel für Roland Kurtze angebracht. Er wurde durch den sowjetischen Geheimdienst verhaftet, verurteilt und hingerichtet.
Verfolgung in zwei Diktaturen
Zum Abschluss am 16. November widmen sich Stadtmuseum und Menschenrechtszentrum der Verfolgung als „Asoziale“ in zwei Diktaturen. Der Fachtag „Außerhalb der Norm“ und eine öffentliche Abendveranstaltung bringen wissenschaftliche Aufarbeitung mit Perspektiven von Betroffenen und Angehörigen zusammen.
Die AG Politische Bildung wurde 2021 gegründet. Ihre erste gemeinsame Themenwoche fand 2022 zur Aufarbeitung von DDR-Unrecht statt. Die diesjährige Reihe setzt diese Zusammenarbeit mit einem Schwerpunkt auf individuellen Lebensgeschichten fort.
Das vollständige Programm mit Veranstaltungsorten, Teilnahmebedingungen und Anmeldemöglichkeiten ist auf der Internetseite der Stadt Cottbus/Chóśebuz unter „AG Politische Bildung“ veröffentlicht.