Ein Pfirsichbaum verbindet Branitz und Montreuil
Historische Mauern verbinden französischen Obstbau mit Pücklers Erbe
Ein Pfirsichbaum aus Montreuil verbindet im Branitzer Park Städtepartnerschaft und Gartenbaugeschichte. Bürgermeister Patrice Bessac und Oberbürgermeister Tobias Schick pflanzten ihn am 23.10.2026 im wiederhergestellten Frühbeethof der Schlossgärtnerei. Sie bekräftigten damit die seit 1959 bestehende Partnerschaft zwischen Montreuil und Cottbus/Chóśebuz. Die dortigen Lehmmauern verweisen auf eine Obstbautradition der französischen Partnerstadt.
Wie Mauern den Pfirsichanbau ermöglichten
In Montreuil entstanden seit dem 17. Jahrhundert kilometerlange Mauersysteme, die sogenannten Murs à pêches. Sie speicherten Sonnenwärme und schützten Spalierbäume vor Wind und Kälte. So ermöglichten sie den Anbau wärmeliebender Pfirsiche. Die 2026 wiederhergestellten Stampflehmmauern in Branitz greifen diese Gartenkultur auf.
Den Frühbeethof zwischen Ananashaus und alter Baumuniversität ließ Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785–1871) bereits 1853/54 anlegen. Seine Mauern wurden nach historischem Vorbild in Pisé-Bauweise wiederhergestellt.
Eine weitere Verbindung führt über Babelsberg: Der französische Obstzüchter Alexis Lepère der Jüngere (1823–1896) brachte das Wissen aus Montreuil nach Preußen. 1863 legte er im Auftrag des preußischen Königspaares Obsttreibmauern im Babelsberger Park an, für dessen Gestaltung damals Pückler verantwortlich war.
Historische Gartenpraxis kehrt zurück
Im Branitzer Frühbeethof werden ab sofort wieder historische Nutz- und Zierpflanzen angezogen. Dazu gehören Obst, Gemüse und Kräuter. Zwei Reihen massiver Frühbeetkästen aus Beton erhielten hölzerne Abdeckungen nach historischen Vorbildern. Hinzu kommen Pflanzspaliere für Aprikosen und Pfirsiche sowie zwei Mauern mit Toren und Pfeilern, deren Gestaltung auf gartenarchäologischen Grabungen beruht.
Kinder der Fröbel-Kindergärten Cottbus übernehmen Pflanzenpatenschaften in den Frühbeetkästen und werden selbst in der Gärtnerei aktiv. Die Zusammenarbeit der Stiftung mit der Fröbel-Gruppe knüpft an die historische Freundschaft zwischen Pückler und Friedrich Fröbel an.
Als Teilprojekt der neuen Branitzer Baumuniversität wurde der Frühbeethof durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) im Programm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ gefördert. Grundlage war ein Beschluss des Deutschen Bundestages.
Partnerschaft mit Begegnungen fortsetzen
Beim Treffen wurden außerdem Kooperationsvereinbarungen mit Montreuil und Grosseto unterzeichnet. Die seit 1967 bestehende Verbindung zur italienischen Partnerstadt wurde 2026 nach Jahren verhaltener Kontakte intensiviert. Erste Schulaustausche finden statt, sportliche Begegnungen werden geplant.
Patrice Bessac sieht insbesondere in gemeinsamen Aktivitäten junger Menschen einen Beitrag zur Kultur des Friedens. Vom 20.10. bis 25.10.2026 besuchen 18 Jugendliche aus Montreuil und Grosseto Cottbus/Chóśebuz und treffen auf 12 Cottbuser Jugendliche. Zum Programm gehören Workshops, Stadterkundungen und eine gemeinsame Fahrt zum Bundestag.
Der neu gepflanzte Pfirsichbaum steht damit an einem Ort, an dem die gärtnerische Verbindung zwischen Montreuil und Branitz wieder sichtbar wird.