Cottbuser Filmfestival zeigt KI und Kriegsrealität
Zwei KI-Produktionen treffen auf dokumentarische Bilder aus der Ukraine
Künstlich erzeugte Bilder und dokumentarische Aufnahmen aus dem Krieg treffen beim 36. Filmfestival Cottbus aufeinander: Vom 3. bis 8. November zeigt das Festival 147 Filme aus 43 Ländern, darunter zwei vollständig KI-produzierte Arbeiten. Neben den Länderschwerpunkten Lettland und Montenegro rückt damit auch die Frage in den Mittelpunkt, wie Kino Wirklichkeit darstellt.
KI im Wettbewerb, Helmkamera im Kriegsgebiet
Mit „A Woman Asleep“ von Vikki Bardot tritt nach Angaben der Veranstalter erstmals ein vollständig KI-generierter Langfilm im Hauptwettbewerb eines international etablierten Filmfestivals an. Der Film aus der Türkei erzählt von einer Frau, die sich zwischen Likes und endlosem Scrollen vom wirklichen Leben entfernt. Die Veranstalter wollen damit eine Debatte über Möglichkeiten und Herausforderungen künstlicher Intelligenz für das Kino anstoßen.
Auch „Post truth“ von Alkan Avcıoğlu arbeitet mit KI-generierten Sequenzen, Erzählstimmen und Musik. Dafür produzierte Avcıoğlu insgesamt 55 Stunden KI-Material. Eine Paneldiskussion greift Fragen nach Kontrolle, Zufall und manipulierter Wirklichkeit auf.
Einen anderen Zugang bietet „Hirnyk“ von Mykola But: Der Regisseur dokumentiert die Arbeit eines ukrainischen Evakuierungsteams, dem er selbst angehört, unter anderem mit einer Helmkamera. „Rapture I-Visit“ von Alisa Berger verbindet dagegen Flucht und virtuelle Rekonstruktion: Ein im Exil lebender Ukrainer besucht seine Wohnung in der russisch besetzten Heimatstadt mithilfe von Fotos und einer VR-Brille.
Länderprogramme zwischen Alltag und Geschichte
Eröffnet wird das Festival im Staatstheater Cottbus mit „Escape Net“ von Dzintars Dreibergs. Das lettische Drama erzählt von der Basketballspielerin Dzidra Uztupe im sowjetischen Riga, unter Beobachtung des KGB.
Zum Lettland-Schwerpunkt gehören 14 Filme, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm „Flow“ von Gints Zilbalodis. Montenegro ist mit 3 Langfilmen und 5 Kurzfilmen vertreten. Programmdirektor Bernd Buder beschreibt es als Filmland, das sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt habe.
Russische Filme gehören nicht zum Programm, Filme über Russland hingegen schon. In „A little gray wolf will come“ reflektiert Zhanna Agalakova bei einer Reise vor Kriegsbeginn die Verhältnisse im Land.
Neuer Wettbewerb und kostenlose Kinobesuche
29 Filme konkurrieren in drei Wettbewerben; insgesamt geht es um rund 52.000 Euro Preisgeld. Erstmals findet „GenNext“ mit 6 Beiträgen statt. Schüler erhalten mit gültigem Schülerausweis freien Eintritt zu dessen Vorstellungen. Am 4. November können Studierende mit gültigem Studierendenausweis sämtliche Filmprogramme kostenlos besuchen. Regulär kostet ein Filmticket 7,50 Euro.
Jurymitglied Claudia Geisler-Bading sagt, osteuropäische Filme seien nach der Wende zunehmend aus ihrem Kinoangebot verschwunden. Viele erreichten weder Fernsehen noch Streamingdienste.
Das seit 1991 bestehende Festival widmet sich mittel- und osteuropäischem Kino.