Görlitzer „ICE der DDR“ wieder auf der Schiene
Sonderfahrten führen ihn bis nach Sylt, Usedom oder Köln
Der SVT Görlitz ist wieder auf Deutschlands Schienen unterwegs: Nach seiner ersten Sonderfahrt am 12. September 2026 in seiner Geburtsstätte Görlitz fuhr der restaurierte Schnellverkehrstriebwagen am Freitag von Dresden über Hamburg nach Sylt. Das frühere Prestigefahrzeug der Deutschen Reichsbahn verbindet damit seine Lausitzer Herkunft mit einem Sonderfahrtprogramm, das weitere Ziele in Deutschland vorsieht.
Die erste Sonderfahrt führte nach Görlitz
Für Görlitz war die Rückkehr des VT 18.16.07/10 ein Wiedersehen mit einem Stück örtlicher Industriegeschichte. Der Zug wurde 1968 im dortigen Waggonbau gefertigt. Am 12. September 2026 kam er als „Elbe-Neiße-Kurier“ von Dresden nach Görlitz. Zahlreiche Schaulustige empfingen ihn am Bahnhof; auch der Bürgermeister begrüßte das verantwortliche Personal der SVT Görlitz gGmbH und des Fördervereins VT 18.16 e.V.
Von Görlitz aus führte eine zweite Fahrt über Dresden und durch das Elbtal nach Bad Schandau und zurück. Wer morgens aus Dresden angereist war, konnte den Tag in Görlitz verbringen und abends mit dem historischen Zug zurückfahren. Beide Fahrten waren ausgebucht.
Etwa sieben Millionen Euro für die Aufarbeitung
Der Wiederinbetriebnahme gingen mehr als fünf Jahre aufwendiger Aufarbeitung voraus. Die Kosten wurden mit etwa sieben Millionen Euro angegeben. Hinter dem Projekt stehen Bahn-Enthusiasten, die sich nach Angaben von Mario Lieb in der 2019 gegründeten gemeinnützigen GmbH SVT Görlitz zusammengeschlossen haben.
Der dieselhydraulische Triebwagen war für den internationalen Fernverkehr der Deutschen Reichsbahn in der DDR gebaut worden. Seine Höchstgeschwindigkeit beträgt 160 Kilometern pro Stunde. Die Abkürzung SVT steht für Schnellverkehrstriebwagen. Am 13. Juni 2026 wurde das aufgearbeitete Fahrzeug in Thale übergeben; im September folgte die erste Sonderfahrt nach Görlitz.
Weitere Ziele zwischen Ruhrgebiet und Ostsee
Das Sonderfahrtprogramm reicht über Sachsen hinaus. Für den Zeitraum vom 1. bis 4. Oktober 2026 hatte das Reisebüro Maertens eine mehrtägige Reise von Dresden nach Köln angesetzt, die bereits vorab ausgebucht war. Zum Programm gehörte eine Zusatzfahrt am 2. Oktober über Bochum nach Bochum-Dahlhausen mit der Möglichkeit, das historische Eisenbahnbetriebswerk zu besichtigen.
Die jüngste Fahrt führte am Freitag über Hamburg nach Sylt und wieder zurück. Künftig will die SVT Görlitz gGmbH regelmäßig Sonderfahrten anbieten. Mitte November ist eine Fahrt von Dresden nach Usedom geplant. Als weitere Ziele des Winterprogramms sind unter anderem Mannheim, Worms, Groß-Umstadt Wiebelsbach und Mosbach-Neckarelz vorgesehen.
Der in Görlitz gebaute Zug bleibt damit auch bei seinen weiteren geplanten Reisen mit der Industriegeschichte der Lausitz verbunden.