Kita-Abbau: nach Görlitz nun auch Weißwasser?!
230 Plätze weniger in Weißwasser, Entscheidung über 550 Plätze in Görlitz vertagt
Weißwasser/O.L. plant, rund 230 Kita-Plätze zum 31. Juli 2028 abzubauen und dafür einzelne der sieben Standorte zu schließen. Welche Kriterien dabei zählen, wird mit Stadträten und Trägern beraten. Wie umstritten die Auswahl werden kann, zeigt Görlitz: Dort zog Oberbürgermeister Octavian Ursu eine Schließungsvorlage nach Kritik an der fehlenden Berücksichtigung der Betreuungsqualität zurück.
Weniger Kinder und hohe Gebäudekosten
Das erste Konzept der Weißwasseraner Stadtverwaltung liegt Stadträten und Kita-Trägern vor. Anlass ist der anhaltende Geburtenrückgang. Nach der regionalen Bevölkerungsvorausberechnung sinkt die Zahl der Kinder unter sechs Jahren von derzeit rund 600 auf unter 420 bis 2035. Im September 2026 waren 200 von 688 Vorhalteplätzen frei, entsprechend einer Leerstandsquote von 29 Prozent.
Nach Einschätzung der Oberbürgermeisterin würde das Festhalten an allen sieben Standorten die gebäudebezogenen Fixkosten künstlich hochhalten. Bei sinkenden Kinderzahlen und nahezu gleichbleibenden Betriebskosten würden die Kosten je Kind und damit auch die Elternbeiträge unverhältnismäßig steigen. Nur Plätze zu reduzieren, ohne Gebäude zu schließen, reicht aus Sicht der Verwaltung weder für die angestrebten Einsparungen noch zur Behebung des Sanierungsstaus.
Görlitzer Debatte rückt Auswahlkriterien in den Blick
In Görlitz sollen angesichts von mehr als 700 unbelegten Plätzen sechs Einrichtungen schließen und bis 2029 rund 550 Plätze entfallen. Ursu zog die Vorlage am 29. Oktober 2026 nach einer kontroversen Stadtratsdebatte zurück. Kritisiert wurde unter anderem, dass nur Zahlen und der bauliche Zustand, nicht aber die Betreuungsqualität in die Auswahl eingeflossen seien.
Damit betrifft die Görlitzer Auseinandersetzung eine Frage, die auch für Weißwassers Planungen wesentlich ist: Nach welchen Maßstäben werden Standorte ausgewählt? In Weißwasser nennt die Verwaltung ausdrücklich das pädagogische Konzept neben Zieleinsparung, Belegung, Lage, baulichem Zustand, möglichem Sanierungsaufwand und Trägervielfalt. Weitere Kriterien und deren Gewichtung werden mit Stadträten, sachkundigen Einwohnern und Trägern besprochen.
Kita-Teams äußern Sorgen im Stadtrat
In Weißwassers Stadtratssitzung am 28. Oktober 2026 brachten Leitungen und Beschäftigte der Kita „Waldwichtel“ und der evangelischen Kita ihre Sorgen zum Ausdruck. Die Verwaltung erkennt die Belastungen für Familien, Kinder und Teams an, hält Veränderungen angesichts der demografischen und finanziellen Entwicklung aber für erforderlich. Sie will die Anliegen prüfen und öffentlich Rückmeldungen geben.
Bis zu den vorgesehenen Schließungen im Sommer 2028 strebt die Verwaltung einen geordneten Übergang an. Freiwerdende Mittel sollen ab 2028 in Erhalt und Modernisierung der verbleibenden Standorte fließen.
Die Beratungen in Weißwasser betreffen damit sowohl die Auswahl der Standorte als auch die künftige Ausstattung der verbleibenden Einrichtungen.