Techell 2.0
Schützenchronik des Karl Friedrich Techell zurück in Bautzen
Geschichtsinteressierte erinnern sich sicherlich noch an die 2011 erfolgte Rückkehr und spätere Präsentation der umfangreichen Chronik des Kupferschmieds Karl Friedrich Techell (1759 bis 1846). Der Bautzener Bürger verfasste zu seinen Lebzeiten eine umfangreiche Chronik, in der er einen Zeitraum vom 6. Jahrhundert bis 1844 beschrieb. Dabei sind einige Bände für die Erforschung des 19. Jahrhunderts besonders wertvoll, da Techell in ihnen seine eigenen Erlebnisse aus erster Hand festhielt. Die Chronik war fast 150 Jahre verschollen, bevor sie 2006 bei einer Auktion wiederauftauchte. Erst einige Jahre später war es der Stadt Bautzen mit Hilfe der Volksbank Bautzen möglich, die Chronik anzukaufen, zu restaurieren und zu digitalisieren. Seit der öffentlichen Präsentation 2013 ist sie online über https://www.archivverbund-bautzen.findbuch.net/php/main.php#3638303032y1-3 einsehbar.
Bisher stand vor allem Techells vielbändige Stadtchronik im Mittelpunkt der Betrachtung. Weniger bekannt ist, dass er vor deren Abfassung ab 1810 eine zweibändige Schützenchronik niederschrieb. Der Kupferschmied war nämlich außerdem Mitglied der Bautzener Schützengesellschaft und von 1806 bis 1831 auch Ältester des Schützenwesens. Allerdings klagte er in seinem Vorwort über die schon damals nicht mehr vorhandenen bzw. ihm persönlich nicht zugänglichen Quellen. Zum Abschluss seiner Vorrede wirkt er ein wenig versöhnlicher:
„Und so übergebe ich allen geehrten Schützenfreunden, welche diese geringen Zeilen (welche die Früchte meiner müßigen Stunden sind) zur gütigen und nachsichtigen Beurteilung. Ich wünsche, dass dieser Versuch einen und den andern nur einen Teil des Vergnügens machen möchte, welches es mir gewährte, als ich dieses niederschrieb.“
Die Schützenchronik besteht aus zwei Bänden, Band I umfasst neben dem Vorwort und einer Einleitung die Anfänge des Schützenwesens bis 1817, in Band II berichtet er über das Bautzener Schützenwesen ab 1817. Wie in seiner Stadtchronik sind auch der Schützenchronik teils farbige Zeichnungen beigefügt. Während der zweite Band im Museum aufbewahrt wird, galt der erste Band bislang als verschollen. Umso größer war die Freude im Archivverbund Bautzen, als sich kürzlich eine Frau aus Bayern meldete und am Telefon berichtete, dass sie eine alte Schützenchronik besäße, die sie nach einer Recherche des namens „Budissin“ nun der Stadt Bautzen zuordnen und gern dem dortigen Stadtarchiv übergeben würde. Schon beim ersten Telefonat zwischen der Leiterin des Archivverbundes und der anbietenden Frau kam die Vermutung auf, dass es sich dabei um die Techellsche Chronik handeln könnte. Umso größer war natürlich die Spannung im Archiv beim Auspacken des Paketes, das schon wenige Tage später einging. Und siehe da, schon auf den ersten Blick war klar: Das ist die verschollene Schützenchronik des Karl Friedrich Techell! Die Chronik ist in einem sehr guten Zustand und steht der Forschung ab sofort zur Einsichtnahme zur Verfügung. Eine Digitalisierung und Onlinestellung ist für 2026 eingeplant. Damit kehrte die Schützenchronik Techells zu seinem 180. Todestag wieder nach Bautzen zurück.
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