Günther Rechn verstorben
Ein Künstler von internationalem Rang
Cottbus. Das Leben des Malers und Grafikers Günther Rechn ist nach einem tragischen Verkehrsunfall zu Ende gegangen. Wie der Redaktion am 4. Januar mitgeteilt wurde, erlag der Künstler seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus. Seit dem 17. Dezember, als er auf der Juri-Gagarin-Straße in Cottbus als Fußgänger von einem Auto erfasst wurde, hatte er auf der Intensivstation um sein Leben gerungen.
Mit Günther Rechn verliert Cottbus nicht nur einen Künstler, sondern eine prägende Persönlichkeit der ostdeutschen Kunstlandschaft – einen Menschen mit Charisma, Haltung und internationaler Ausstrahlung.
Geboren wurde Günther Rechn am 14. März 1944 in Litzmannstadt, dem heutigen Łódź. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er von 1966 bis 1971 an der renommierten Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle an der Saale, wo er Gobelinwirkerei und Malerei studierte. Früh zeigte sich dort sein Gespür für Form, Farbe und erzählerische Tiefe.
Ab 1977 arbeitete Rechn freischaffend in der Niederlausitz. In den 1980er Jahren übernahm er Verantwortung weit über das eigene Atelier hinaus: Als Vorsitzender des Verbandes Bildender Künstler (VBK) des Bezirkes Cottbus gestaltete er das kulturelle Leben der Region maßgeblich mit. Kunst verstand er nie als abgeschlossenen Raum, sondern als Dialog mit der Welt. So reiste er 1980 als Abgesandter des VBK gemeinsam mit anderen Künstlern durch palästinensische Gebiete – eine Reise, die auch zu einer Begegnung mit Yasser Arafat führte.
Rechns Werke waren in der DDR ebenso präsent wie im Ausland. Zwischen 1977 und 1988 nahm er an der VIII. bis X. Kunstausstellung der DDR in Dresden teil; zahlreiche Einzelausstellungen und Beteiligungen folgten. Seine Bilder fanden ihren Weg in Museen und bedeutende Privatsammlungen in Deutschland, Italien, Frankreich, Polen und Tschechien.
Nach der politischen Wende, als vertraute Strukturen des ostdeutschen Kunstbetriebs zerfielen, blieb Rechn dem künstlerischen Arbeiten treu. Er arbeitete als Bühnenmaler am Staatstheater Cottbus, später als Restaurator in Niederbayern. Von 1993 bis 1994 war er der erste Stadtzeichner von Cottbus – ein stiller Chronist einer Stadt im Umbruch, dessen Blick das Alltägliche mit dem Historischen verband.
Seit 1994 lebte und arbeitete Günther Rechn in Limberg und im italienischen Grosseto. Italien wurde zu einem weiteren künstlerischen Zuhause, ohne dass er seine Verbindung zur Lausitz je verlor. Bis zuletzt blieb er mit Ausstellungen im europäischen Raum präsent.
Günther Rechn war verheiratet und Vater zweier Kinder. Sein Sohn, der Schauspieler und Regisseur Urs Rechn, führt die künstlerische Auseinandersetzung auf eigene Weise fort.
Mit dem Tod von Günther Rechn verliert Cottbus eine Stimme, die über Jahrzehnte hinweg Bilder für das Unsagbare fand – und einen Künstler, dessen Werk weit über die Region hinausstrahlt.
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