Lausitz.online Redaktion
Tradition neu denken - Teil 2
Warum ausgerechnet Kekse?
Der Dorfladen ist seit dem 1. August Geschichte. Jetzt beginnt für die Familienbäckerei in Guhrow der eigentliche Neustart: Aus der klassischen Landbäckerei soll eine spezialisierte Keksfaktur werden.
GUHROW – Am 1. August wurde in Guhrow zum letzten Mal Brot, Brötchen und Kuchen über die Ladentheke der traditionsreichen Familienbäckerei verkauft. Nach mehr als 130 Jahren endete damit ein Stück Dorfgeschichte.
Doch während der Laden geschlossen ist, geht die Arbeit in der Backstube weiter.
Für den Inhaber ist das ein entscheidender Unterschied: Der Laden ist geschlossen – die Bäckerei nicht.
Jetzt beginnt die nächste Phase des Familienbetriebs. Die Backstube soll sich Schritt für Schritt zu einer spezialisierten Keksfaktur entwickeln.
Nicht mehr alles anbieten, sondern das Richtige
Hinter der neuen Ausrichtung steckt eine einfache unternehmerische Überlegung: Ein kleiner Handwerksbetrieb kann heute kaum noch dauerhaft versuchen, mit großen Bäckereiketten, Supermärkten und Discountern über die Breite des Sortiments und den Preis zu konkurrieren.
Deshalb will sich der Bäckermeister künftig stärker auf das konzentrieren, was den eigenen Betrieb auszeichnet: handwerklich hergestellte Kekse und besondere Cookies.
„Statt zu versuchen, als kleiner Betrieb alles gleichzeitig anzubieten, möchte ich mich auf das konzentrieren, womit wir uns wirklich unterscheiden können.“
Die Spezialisierung bedeutet dabei nicht weniger Handwerk. Im Gegenteil. Die vorhandene Erfahrung soll gezielt auf wenige Produkte konzentriert werden.
Warum gerade Kekse?
Kekse gehören schon lange zum Sortiment der Bäckerei. Nun sollen sie zum Mittelpunkt des Unternehmens werden.
Das hat auch mit den Möglichkeiten des neuen Geschäftsmodells zu tun.
Brot und Brötchen sind klassische Produkte des täglichen Bedarfs. Sie müssen frisch hergestellt und möglichst schnell verkauft werden. Ein Dorfladen oder eine regionale Verkaufsstruktur liegt deshalb nahe.
Bei Keksen sieht die Situation anders aus.
Sie lassen sich produzieren, verpacken und über größere Entfernungen verschicken. Damit kann der Kundenkreis deutlich über Guhrow und die unmittelbare Umgebung hinaus erweitert werden.
Genau diese Möglichkeit möchte der Unternehmer nutzen.
Die Backstube bleibt in Guhrow
An der Herkunft der Produkte soll sich nichts ändern.
Die Kekse entstehen weiterhin in der Backstube der Familienbäckerei in Guhrow. Dort werden sie hergestellt, gebacken und verpackt.
„Die Kekse entstehen weiterhin hier in Guhrow in unserer Backstube. Verkauft werden sie aber nicht mehr nur an Menschen aus der Umgebung, sondern über unseren Onlineshop und vielleicht auch dann zunehmend über Händler in ganz Deutschland.“
Damit verbindet die neue Ausrichtung zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen: mehr als 130 Jahre Handwerkstradition und moderner Onlinehandel.
Vom Dorf in den Onlineshop
Mit dem geschlossenen Ladengeschäft verändert sich auch die Beziehung zu den Kunden.
Bisher musste der Kunde nach Guhrow kommen, um die Produkte der Bäckerei zu kaufen.
Künftig sollen die Produkte aus Guhrow zum Kunden kommen.
Ein Onlineshop soll dabei eine zentrale Rolle spielen. Gleichzeitig möchte die Bäckerei zunehmend Händler gewinnen, die die Produkte in anderen Regionen Deutschlands anbieten.
Damit wird aus einem regional begrenzten Geschäftsmodell ein überregionaler Ansatz.
Die Produktion bleibt klein und handwerklich. Der Absatzmarkt soll dagegen wachsen.
Eine neue Zukunft für altes Handwerk
Für den Bäckermeister Sven Hofmann ist die Keksfaktur deshalb mehr als eine neue Geschäftsidee.
„Ich möchte das alte Handwerk nicht aufgeben. Ich versuche, ein Geschäftsmodell zu verändern, damit dieses Handwerk überhaupt weiterbestehen kann.“
Die Schließung des Ladens war somit nicht das Ende der Familienbäckerei, sondern eine Konsequenz aus der Erkenntnis, dass das bisherige Modell langfristig nicht mehr funktioniert.
Nun muss sich zeigen, ob das neue Modell trägt.
Welche Produkte besonders gefragt sein werden, wie die Kunden auf die Keksfaktur reagieren und ob der Vertrieb über den Onlineshop und Händler tatsächlich funktioniert, ist heute noch offen.
Fest steht nur: Seit dem 1. August gibt es in Guhrow keinen klassischen Bäckerladen mehr. Aber es gibt weiterhin eine Backstube – und eine neue Idee, die dort gerade erst beginnt.
Fortsetzung folgt: Wie fühlt sich der erste Tag ohne eigenen Laden an – und was passiert jetzt in der Backstube?
Foto: privat
Ähnliche Beiträge
Sport
Bronze für Spreeschule Cottbus
Kommunales
Cottbus baut Partnerschaft aus
Bildung & Wissenschaft
Präsenzunterricht in Herzberg startet wieder
Gesundheit
Forst: Woche für seelische Gesundheit
Strukturwandel
Erste GigawattFactory der LEAG wird Realität
Verkehr & Infrastruktur
Busverkehr bei Döbern länger geändert
110, 112
Fehrow weiht Feuerwehrhaus ein
Gesellschaft
Babybeutel für Bischofswerda
Kommunales
Eisenhüttenstadt legt Wärmeplan aus
Gesellschaft
Schlossgespräch in Bad Muskau
Sport
LHC Cottbus gewinnt Lausitz-Derby
Bildung & Wissenschaft
Berufsbetreuer in Kamenz gesucht
Kommunales
Einwohnerforum in Bautzen
Verkehr & Infrastruktur
Nordkopf öffnet am 6. Dezember
Gesellschaft
24. Lindenfest feiert Lübbenau

