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Denkanstöße zur Familienpolitik
Teil 2: Zwischen PISA-Krise und Nostalgie-Wahlkampf
Im September standen unsere Schulen so wie sonst selten im Fokus der Debatten. Neben der Veröffentlichung der PISA-Studie wurde nämlich in gleich drei Bundesländern gewählt – und da Bildung Ländersache ist, wurde hier auch besonders heftig gerungen. Schließlich geht es um nicht weniger als die Zukunft unserer Kinder – und damit um die Alltagsrealität vieler Familien. Was dabei jedoch verwundert: Die aktuellen Erkenntnisse des letzten Monats widersprechen nicht selten Parteiprogrammen, die eher auf stimmenfangende Augenwischerei als wirkliche Problemlösungen setzen.
PISA-Krise – schon wieder
Die Studie, welche in mehr als 90 Ländern vergleicht, wie gut 15-Jährige ihr Wissen anwenden können, zeichnet erneut ein ernüchterndes Bild für Deutschland: Sowohl in Mathe und im Lesen als auch in den Naturwissenschaften sind die Jugendlichen so schlecht wie noch nie seit Beginn der Erhebung vor 25 Jahren. Seit 2015 sinken die Leistungen kontinuierlich. Mittlerweile würde so jeder Dritte nicht mal mehr das grundlegende Kompetenzniveau beim Lesen erreichen. Diese Entwicklung lässt sich weltweit erkennen, betrifft Deutschland aber besonders stark, das mittlerweile „nur noch“ Durchschnitt ist.
Suche nach dem Schuldigen
Nicht selten werden digitale Geräte, Social Media & Co. als Hauptgrund für diesen Trend ausgemacht. Deswegen findet sich bspw. das Handyverbot mittlerweile auch in vielen Parteiprogrammen wieder. Und die AfD Sachsen-Anhalt, welche mit 43,8 % der Stimmen einen Erdrutschsieg bei der Landtagswahl erzielte, geht sogar noch weiter: Einführung von Heimunterricht, Beendigung der Inklusion von Kindern mit Behinderung, Sonderklassen für Geflüchtete, Ausweitung des Leistungsprinzips, Begrenzung der Digitalisierung, …
Von Vorbildern lernen
Angeblich Schuldige auszumachen ist dabei zwar leicht, läuft aber den Ergebnissen der PISA-Studie zuwider – das zeigen insbesondere drei Länder aus der Top 10 des Rankings.
- Kanada: Vor dem Hintergrund eines hohen Migrationsanteils von 38 % werden Jugendliche aktiv integriert und erzielen sogar bessere Noten als der Durchschnitt aller Schüler.
- Großbritannien: Benachteiligte Schulen und Schüler werden stärker gefördert – damit konnte das Land als eines der wenigen über die Jahre sogar Leistungen steigern.
- Estland: Der langjährige europäische Spitzenreiter setzt auf digitales Material sowie Lernplattformen und bereits im Kindergarten werden spielerisch Kenntnisse in Programmierung und Robotik vermittelt.
Bekannte Herausforderungen
Und hier zeigen sich auch Deutschlands Defizite, die altbekannt, aber eben schwerer politisch zu verarbeiten sind. Im Vergleich von Disparitäten durch soziale Ungleichheiten belegt man so Platz 85 von 91. Und auch im Ranking nach der Fairness des Lernumfelds findet man sich eher im unteren Mittelfeld wieder. Zum Handyverbot: Zwei von drei Schulen setzen dieses hier sogar bereits durch. Und trotzdem nutzt jeder Zweite mindestens einmal pro Woche KI zur Unterstützung. Bei der wesentlichen Frage, wie viele der Schüler denn wirklich lernen würden, die mit KI erzeugten Informationen zu bewerten, landet Deutschland wieder im unteren Mittelfeld. Lösungen für Deutschlands Probleme lassen sich weniger aus aktuellen politischen Debatten als vielmehr aus internationalen Erkenntnissen herleiten. Genau das werden wir in kommenden Ausgaben der lausebande vertiefen.
Lausitz mit Blick nach vorn
In der Lausitz stoßen die aktuellen Entwicklungen nicht nur auf einen akuten Lehrkräftemangel, sondern auch auf eine Region mitten in der Transformation. Mit über 40 Mrd. Euro an öffentlichen und privaten Investitionen siedelt sich viel Industrie und Forschung neu an, die auch entsprechende Fachkräfte mit insbesondere MINT- und Digitalkompetenzen benötigt. Sowohl dieser Aspekt als auch das zunehmend fehlende Schulpersonal, rufen nicht nur nach dem Einsatz moderner Konzepte und auch KI, sondern ebenso dem passenden Know-how. So zeigte auch die PISA-Studie: Wenn die Nutzung von digitalen Geräten und KI mit der Vermittlung nötiger Kompetenzen verbunden ist, erzielen Schüler bessere Ergebnisse.
Erste Projekte
Gerade in der Lausitz gilt es also, nun an wirklichen Lösungen zu arbeiten, statt nur Schuldige zu suchen – denn die wirklichen Probleme sind längst bekannt. Auch Familien können hier aktiv werden, so gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Institutionen über die Schule hinaus, die versuchen, genau diese Werte zu vermitteln. So startete mit LausitzLabs in diesem Mai ein Bildungsprojekt, welches zukünftig Makerspaces und mobile Lernangebote zu einem Netzwerk bündeln und entsprechende Fähigkeiten gerade an Schüler vermitteln soll. Das Motto: Gemeinsam neue Dinge lernen, statt sich auf Herausforderungen als Ausrede auszuruhen.
Eine Auswahl an Institutionen mit bereits bestehenden Angeboten für unterschiedliche Bildungsformate im MINT-Bereich:
- BTU Cottbus-Senftenberg
- Newton Flight Academy / CHESCO Cottbus
- Medienzentrum Spree-Neiße Forst
- Schülerakademie Elbe-Elster e. V.
- BASF Schwarzheide / Industriepark Lausitz
- Hochschule Zittau/Görlitz / ZUKLOS
- ZCOM Zuse-Computer-Museum Hoyerswerda
- Naturwissenschaftlich-Technisches Kinder- und Jugendzentrum NATZ e. V. Hoyerswerda
- LAUTECH / Zentrum Bauen und Wohnen – Schülerforschungszentrum Hoyerswerda
- Energiefabrik Knappenrode
- Station für Technik, Naturwissenschaften, Kunst – Weißwasser e. V.

