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Solarglashersteller Glasmanufaktur Brandenburg (GMB) meldet Insolvenz an
243 Beschäftigte betroffen – Kritik an deutscher und europäischer Wirtschaftspolitik
Tschernitz, 7. Juli 2025 - Die Glasmanufaktur Brandenburg (GMB) mit Sitz in Tschernitz (Landkreis Spree-Neiße) hat Insolvenz angemeldet. Der Antrag wurde am Freitag beim Amtsgericht Cottbus eingereicht. Das teilte Geschäftsführer Nico Succolowsky am Montag mit. 243 Beschäftigte sind betroffen. Bereits seit Monaten war die Belegschaft in Kurzarbeit.
„Trotz großer Anstrengungen und erheblicher Investitionen unsererseits sowie des Mehrheitsgesellschafters ist es bislang nicht gelungen, eine wirtschaftlich tragfähige Lösung zu finden. Die Insolvenzanmeldung war letztlich unvermeidbar“, so Succolowsky.
Die GMB stellt seit 15 Jahren Solarglas her und hat sich der Stärkung der heimischen Wertschöpfung in der Solarbranche verschrieben. Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend verschlechtert. Hauptursache seien massive Wettbewerbsverzerrungen durch staatlich subventionierte Billigimporte aus China und Südostasien – ein Thema, das seit Jahren bekannt sei.
Fehlende politische Reaktionen trotz jahrelanger Warnungen
Scharfe Kritik äußert das Unternehmen an der deutschen und europäischen Wirtschaftspolitik. „Wir erleben seit Jahren eine strukturelle Vernachlässigung der Industrie – insbesondere im Bereich der strategisch wichtigen Energiewirtschaft“, so Succolowsky. Trotz frühzeitiger Warnungen aus der Branche, zahlreicher Gespräche und konkreter Vorschläge habe es keine wirksamen politischen Maßnahmen gegeben, um einen fairen Wettbewerb herzustellen.
Ein Beispiel sei das sogenannte Solarpaket der Bundesregierung, das 2024 verabschiedet wurde – jedoch ohne den von der Industrie geforderten Resilienzbonus. „Diese Entscheidung war ein fatales Signal für alle Produzenten in Europa, die unter deutlich höheren Kosten arbeiten müssen als ihre asiatischen Wettbewerber“, betont Succolowsky.
Brandenburgs Wirtschaftsminister Daniel Keller (SPD) zeigt sich enttäuscht: „Dass der letzte europäische Solarglashersteller Insolvenz anmeldet, ist die direkte Folge mangelnder industriepolitischer Weitsicht. Die EU riskiert ihre Unabhängigkeit im Bereich Photovoltaik sehenden Auges.“ Der Minister kritisiert insbesondere, dass weder auf EU- noch auf Bundesebene geeignete Schutzmaßnahmen wie Zölle, Ausgleichsabgaben oder gezielte Förderung beschlossen wurden.
Seit Anfang 2024 habe sich das Land Brandenburg gemeinsam mit dem Unternehmen und Bundestagsabgeordneten an die Bundesregierung gewandt. Doch sämtliche Gespräche – auch zu Zöllen oder Ausgleichsmechanismen – blieben folgenlos. „Das Produkt ist hochwertig, aber in einem unfairen Markt nicht mehr wettbewerbsfähig“, so Keller.
Region verliert wichtigen Industriebetrieb
Die Insolvenz war in der Region seit Längerem befürchtet worden. Bereits im Januar hatte Landrat Harald Altekrüger in einem Brandbrief an die Landes- und Bundesregierung vor der drohenden Schließung gewarnt. Darin kritisierte er explizit die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die Unternehmen in Ostdeutschland zusätzlich unter Druck setzen: hohe Energiepreise, steigende Lohnkosten, und eine unregulierte Flut billiger Importware.
„Der Fall GMB zeigt, dass viele wirtschaftspolitische Entscheidungen der letzten Jahre an der Realität industrieller Produktion in Deutschland vorbeigingen“, so Altekrüger. „Es entsteht der Eindruck, dass der Industriestandort Deutschland politisch nicht mehr gewollt ist – anders lassen sich viele Versäumnisse kaum erklären.“
Die Geschäftsführung der GMB kündigte an, die Gespräche mit dem Insolvenzverwalter aufzunehmen, um alle Optionen für eine mögliche Fortführung des Betriebs zu prüfen.
Copyright: hyperworx Medienproduktionen
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