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Lausitz, 11.10.2026
Beate und Reinhard Simmgen

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Singseminare im Landkreis Görlitz

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10.10.2026
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BTU startet Sorbisch-Lehramtsstudium

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Lausitzer Seenland wächst gegen den Landestrend

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Kamenz zeigt Verbindung von Gestein und Weltall

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Bischofswerda erhält 3.600 €

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Ferienprojekt: Oberlausitz entdecken

Zehn- bis 14-Jährige setzen ihre Eindrücke in Minecraft um.

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Von C.M.Schwab

Aktuelle Nachrichten aus Zittau

Strukturwandel in der Lausitz

Mehr Tempo, mehr Wirtschaft, (noch) mehr Mut

Cottbus (CB) | Elbe-Elster (EE) | Görlitz (GR) | Dahme-Spreewald (LDS) | Oberspreewald-Lausitz (OSL) | Spree-Neiße (SPN)
Montag 22. Juni 2026
Oberlausitz
Niederlausitz
4 min
Von: Von C.M.Schwab
Kategorie:
Wirtschaft

Lausitzrunde überprüft ihre Cluster-Strategie von 2018 – Wirtschaft, Energie, Schiene, Forschung und neue Wertschöpfung im Fokus

Von C.M.Schwab

Fünf Jahre nach Inkrafttreten des Strukturstärkungsgesetzes Kohleregion und acht Jahre nach Vorlage der Cluster-Strategie der Lausitzrunde hat das kommunale Bündnis in Schwarze Pumpe Bilanz gezogen. Im Suhler Klubhaus ging es nicht um eine feierliche Selbstbestätigung, sondern um eine nüchterne Bestandsaufnahme: Was ist gelungen? Was ist nicht gelungen? Was bleibt? Und was braucht die Lausitz jetzt?

Die Veranstaltung machte deutlich: Der Strukturwandel ist in Bewegung, aber er ist längst nicht entschieden. Forschungseinrichtungen entstehen, Milliarden sind gebunden, große Infrastrukturprojekte laufen an, die LEAG baut ihre GigawattFactory aus, Wasserstoff- und Speicherprojekte nehmen Gestalt an. Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen: Kommt das Wasserstoffkernnetz wirklich in die Lausitz? Werden neue Gaskraftwerke in Ostdeutschland gebaut? Reicht das Tempo beim Schienenausbau? Gelingt es, Forschung tatsächlich in Industrie, Arbeitsplätze und Wertschöpfung zu übersetzen?

2018 gezündet, jetzt Korrekturen nötig

Christine Herntier, Mandatsträgerin der Lausitzrunde und Sprecherin der brandenburgischen Kommunen, brachte den Anspruch der Veranstaltung auf den Punkt. Die Cluster-Strategie von 2018 habe „gezündet“, müsse aber nach acht Jahren überprüft, geschärft und gegebenenfalls auch korrigiert werden. „Gehört auch ein bisschen Mut dazu, etwas zu verwerfen“, sagte Herntier. Es gehe nicht darum, alte Papiere zu verteidigen, sondern um eine Strategie, mit der Kommunen, Wirtschaft und Wissenschaft weiterarbeiten können.
Besonders deutlich wurde Herntier beim Thema Akzeptanz. Das ständige Wiederholen von Milliardenbeträgen helfe vor Ort nur begrenzt. Für Bürgermeister sei der Druck enorm, wenn Bürger fragten, warum andere Orte große Projekte bekommen hätten und die eigene Kommune nicht. Entscheidend sei deshalb, Strukturwandel konkreter zu erklären: mit sichtbaren Projekten, Arbeitsplätzen, Infrastruktur, Bildung und echter Wertschöpfung.

„Milliarden allein schaffen noch keine Akzeptanz.“
Christine Herntier

Forschung muss dorthin, wo Industrie ist

Für Prof. Michael Beckmann von der TU Dresden ist Schwarze Pumpe ein Schlüsselstandort, weil hier Forschung und Industrie unmittelbar zusammengeführt werden können. Die Lausitz dürfe dabei nicht entlang von Landesgrenzen gedacht werden. „Wir sehen die Lausitz als Ganzes“, sagte Beckmann. Wissenschaftliche Kooperationen mit der BTU Cottbus-Senftenberg, Fraunhofer, der LEAG und weiteren Partnern seien längst Realität.
Besonders hob Beckmann das Projekt CircEcon im Industriepark Schwarze Pumpe hervor. Die Entscheidung, Kompetenzen der Hochschulen Chemnitz, Freiberg, Dresden und Zittau-Görlitz an einem Standort zu bündeln, sei aus seiner Sicht richtig. „Hier können wir Kompetenz bündeln, statt sie tröpfchenweise über Standorte zu verteilen.“
Im Zentrum steht für ihn die Kreislaufwirtschaft. Deutschland, Sachsen und die Lausitz seien nicht mit Rohstoffen gesegnet. Umso wichtiger sei es, Wertstoffe aus Produkten zurückzugewinnen, statt sie wegzuwerfen oder wieder ins Ausland zu exportieren. CircEcon könne helfen, Entwicklungen aus Labor und Pilotmaßstab gemeinsam mit Industriepartnern in den Demonstrationsmaßstab zu bringen und damit Ansiedlungen, Start-ups und Ausgründungen zu fördern.

LEAG: Die GigawattFactory wird Realität

Adi Rösch, CEO der LEAG, trat mit einer klaren Botschaft auf: Die LEAG versteht sich nicht als passiver Betroffener des Strukturwandels, sondern als aktiver Gestalter.
Die frühere Vision der GigawattFactory sei inzwischen an vielen Stellen Realität. In Jänschwalde, Boxberg und Schwarze Pumpe entstünden Projekte, Baustellen und neue Investitionen. Besonders stark setzt die LEAG auf Batteriespeicher. Nach der ersten Großbatterie in Schwarze Pumpe mit 50 Megawatt seien nun Projekte mit deutlich größeren Dimensionen in Arbeit.
Rösch machte deutlich, dass Batteriespeicher für Energiewende, Netzstabilität und die industrielle Weiterentwicklung der Kraftwerksstandorte eine zentrale Rolle spielen. Gleichzeitig warnte er davor, die Arbeitsplatzwirkung neuer Technologien zu überschätzen.

„Die Milliarden sind vollkommen egal, wenn wir sie nicht in Industrie und Arbeitsplätze bekommen.“
Adi Rösch

Deshalb reiche es nicht, neue Energieprojekte zu bauen. Die Lausitz brauche neue Industrieansiedlungen. Straßen, Radwege und Infrastruktur seien wichtig, ersetzten aber keine industrielle Wertschöpfung. Unternehmen müssten sich bewusst für die Lausitz entscheiden, weil sie hier Fachkräfte, Energie, Flächen und gute Rahmenbedingungen vorfinden.
Rösch forderte mehr Geschwindigkeit und Mut. „Wir müssen hungrig sein, wenn wir Industrieansiedlungen gewinnen wollen.“ Auch die LEAG selbst müsse schneller, flexibler und marktorientierter werden.

Wasserstoff, Wärmepumpen und das Referenzkraftwerk Lausitz

Prof. Mario Ragwitz vom Fraunhofer IEG ordnete die Lausitzer Projekte in die langfristige Entwicklung des Energiesystems ein. Bis 2045 werde das Energiesystem stark von erneuerbaren Energien geprägt sein. Gleichzeitig werde es nicht nur um Strom gehen. „Wir werden beides brauchen: Strom und Wasserstoff.“ Wasserstoff werde insbesondere für Grundstoffindustrie, Hochtemperaturprozesse, synthetische Kraftstoffe und die sichere Stromversorgung benötigt. Batteriespeicher, Wärmepumpen, Geothermie und intelligente Netze würden dabei eine wichtige Rolle spielen.
Ein zentrales Projekt bleibt das Referenzkraftwerk Lausitz. Trotz notwendiger Anpassungen sieht Ragwitz darin weiterhin ein starkes Beispiel für Innovation. In der Lausitz könne das erste Wasserstoff-Rückverstromungskraftwerk in Deutschland und Europa entstehen.

Neue Technologien und Energieoptionen

Prof. Antonio Hurtado von der TU Dresden warb für Technologieoffenheit in der Energiepolitik. Die Lausitz müsse auch über neue kerntechnische Konzepte wie Small Modular Reactors diskutieren dürfen. Diese könnten perspektivisch Strom und hochwertige Prozesswärme für industrielle Anwendungen bereitstellen. „Ergänzend heißt nicht stattdessen“, betonte Hurtado. Erneuerbare Energien müssten weiter ausgebaut werden, zugleich müsse die Diskussion technologieoffen und tabufrei geführt werden.

Schiene als Rückgrat der Wirtschaftsentwicklung

Jens Krause von der IHK Cottbus bezeichnete den Schienenausbau als Schlüssel für die wirtschaftliche Entwicklung der Lausitz. Rund drei Milliarden Euro Strukturwandelmittel fließen allein in Brandenburg in entsprechende Projekte. Sorge bereitet ihm jedoch die Finanzierung auf sächsischer Seite. Dort stehe beim Ausbau der Strecke Cottbus–Görlitz offenbar sogar ein eingleisiger Ausbau zur Diskussion. „Für den zweigleisigen Ausbau Richtung Görlitz müssen wir gemeinsam kämpfen.“ Auch für den Güterverkehr sieht Krause große Potenziale. Allein im Industriepark Schwarze Pumpe gebe es täglich rund 2700 Lkw-Bewegungen.

Forschung muss in Wertschöpfung münden

Prof. Jan Schnellenbach von der BTU Cottbus-Senftenberg zog eine differenzierte Zwischenbilanz des Strukturwandels. In nahezu allen Clustern seien Fortschritte sichtbar. Gleichzeitig warnte er vor einer wachsenden Lücke zwischen Forschung und wirtschaftlicher Anwendung. „Zwischen Forschungsinvestitionen und unternehmerischer Anwendung klafft noch eine große Lücke.“ Es sei keineswegs selbstverständlich, dass Patente, Ausgründungen und Wertschöpfung auch in der Lausitz blieben. Die Region müsse Forschung, Mittelstand und Industrie deutlich enger verzahnen. Als zentrale Herausforderungen nannte Schnellenbach Fachkräftesicherung, Bürokratieabbau und die konsequente Nutzung der Chancen des Net Zero Valley.

Wirtschaftliche Tragfähigkeit entscheidet

In der Podiumsdiskussion lenkte Thomas Knott von der Mittelstandsinitiative Brandenburg den Blick auf einen Punkt, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung zog: die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Strukturwandels. Forschung, Infrastruktur und öffentliche Investitionen seien wichtige Voraussetzungen. Entscheidend werde jedoch sein, ob daraus dauerhaft Unternehmen, Wertschöpfung und Arbeitsplätze entstehen. Knott warnte davor, den Erfolg des Strukturwandels allein an Fördersummen oder Projektzahlen zu messen. Für die Unternehmen in der Region zähle am Ende, ob Investitionen wirtschaftlich tragfähig seien und ob neue Geschäftsmodelle entstehen.

„Der Strukturwandel wird nicht allein durch Förderprogramme gewonnen, sondern durch Unternehmer, die bereit sind zu investieren.“
Thomas Knott

Der gemeinsame Nenner: Tempo, Wirtschaft, Ehrlichkeit

So unterschiedlich die Beiträge waren, sie liefen an mehreren Punkten zusammen: Die Lausitz hat reale Fortschritte erzielt. Gleichzeitig reicht das Tempo vielerorts noch nicht aus. Strukturwandel wird nur gelingen, wenn aus Projekten dauerhafte Wertschöpfung entsteht. Ohne Fachkräfte, Industrieansiedlungen, Energieinfrastruktur, Schiene und Forschungstransfer bleiben Milliarden abstrakt. Die Veranstaltung zeigte auch, dass die Lausitzrunde ihre Rolle weiter als kommunaler Impulsgeber versteht. Es geht längst nicht mehr nur um den Ausstieg aus der Kohle. Es geht um die Frage, ob die Lausitz eine Industrieregion bleibt – mit neuer Energie, neuen Technologien und neuer Wertschöpfung.
Zum Schluss zitierte Christine Herntier Heinrich Heine: „Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt.“ Für die Lausitz heißt das: Strukturmittel sind eine historische Chance. Nachhaltig wirken sie jedoch nur dann, wenn daraus Können, Arbeit, Unternehmen, Infrastruktur und Vertrauen entstehen.

www.lausitzrunde.de

Adi Rösch, CEO Leag, hielt eine der Key Notes
Adi Rösch, CEO Leag, hielt eine der Key Notes
Fotos: Tudyka.PR
Prof. Schnellenbach
Prof. Schnellenbach
Weitere Redebeiträge gab es u.a. von Prof. Jan Schnellenbach (BTU) und Prof. Michael Beckmann (TU Dresden)
Weitere Redebeiträge gab es u.a. von Prof. Jan Schnellenbach (BTU) und Prof. Michael Beckmann (TU Dresden)
Podiumsrunde
Podiumsrunde
Auch Thomas Knott (Mittelstandsinitiative Brandenburg) ergriff das Wort während der Podiumsdiskussion.
Auch Thomas Knott (Mittelstandsinitiative Brandenburg) ergriff das Wort während der Podiumsdiskussion.
Hendryk Balko und Christine Herntier, Sprecher der Lausitzrunde.
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