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L.o Redaktion | M. Schmidt

Zukunftskonferenz in Guben

Lausitz diskutiert über Mut, Identität und den Kurs der Zukunft

Bautzen (BZ) | Cottbus (CB) | Görlitz (GR) | Oberspreewald-Lausitz (OSL) | Spree-Neiße (SPN)
Donnerstag 17. September 2026
Niederlausitz
10 min
Von: L.o Redaktion | M. Schmidt
Kategorie:
Strukturwandel

Energiepreise, Strukturwandel, Infrastruktur, Unternehmertum und ostdeutsche Identität standen im Mittelpunkt der 3. Zukunftskonferenz der LAUSITZRUNDE

Guben, 17. September 2026. Wie kann die Lausitz ihren eigenen Weg in die Zukunft gestalten? Welche Rahmenbedingungen brauchen Kommunen, Unternehmen und Bürger? Und welche Rolle spielen dabei ostdeutsche Identität, wirtschaftliche Stärke und der Mut, neue Wege zu gehen?

Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich die 3. Zukunftskonferenz der LAUSITZRUNDE am Donnerstag in der Alten Färberei in Guben. Bürgermeister, Politiker, Wissenschaftler, Unternehmer und weitere Akteure aus der Region kamen zusammen, um über die Zukunft der Lausitz, die Herausforderungen des Strukturwandels und konkrete Perspektiven für die Region zu diskutieren.

Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Immer wieder ging es auch um die Frage, wie die Menschen in der Lausitz selbst ihre Zukunft wahrnehmen und welche Rolle Herkunft, Identität und regionale Verbundenheit dabei spielen.

Zukunft braucht Mut und Neugier

Den Auftakt bildeten Begrüßungen der Bürgermeister Fred Mahro (Guben), Hendryk Balko (Boxberg/O.L.) und Christine Herntier (Spremberg/Grodk). Anschließend folgte ein Impuls von Dr. Carl Naughton zum Thema „Zukunftsmut – haben und geben“.

Ein Schwerpunkt der Konferenz lag anschließend auf der Frage, wie Ostdeutschland und seine Menschen auf die eigene Herkunft blicken. Tino Lang, Kommunikationsfachmann von der Agentur Zebra aus Chemnitz, stellte dazu das Thema „Junge Ostdeutsche“ vor.

Lang machte deutlich, dass Zukunft auch aus der eigenen Herkunft heraus entwickelt werden könne. Marken, Unternehmen und Regionen könnten dann besonders glaubwürdig auftreten, wenn sie ihre Wurzeln nicht versteckten, sondern selbstbewusst mit ihnen arbeiteten. „Ich erlaube mir, ostdeutsch zu sein“, beschrieb Lang einen Ansatz, der Herkunft nicht als Belastung, sondern als Teil der eigenen Identität versteht.

Dabei verwies er auch auf den Wandel des gesellschaftlichen Gedächtnisses. Identitäten und Wahrnehmungen veränderten sich häufig erst über mehrere Jahrzehnte. Viele Menschen hätten ihre ostdeutsche Herkunft lange eher zurückhaltend behandelt. Gleichzeitig zeigten Untersuchungen, dass der regionale Zusammenhalt im Osten Deutschlands stärker werde und Regionalität bei vielen Menschen einen hohen Stellenwert besitze.

Lang formulierte es zugespitzt: „Dinge ohne Wurzel welken einfach.“

„Wie gewinnen wir Herzen und Köpfe?“

An die Präsentation schloss sich das Podiumsgespräch „Wie gewinnen wir Herzen und Köpfe?“ an. Gemeinsam diskutierten Jana Hensel, Autorin und Journalistin, Tino Lang, Markus Klein, Geschäftsführer von „demos – Brandenburgisches Institut für Gemeinwesenberatung“, sowie Christine Herntier über ostdeutsche Identität und die Frage, ob es einen besonderen „Typus Ostdeutscher“ gibt.

Dabei ging es auch um das Verhältnis zwischen Politik und Gesellschaft. Jana Hensel verwies auf die Bedeutung öffentlicher Debatten und formulierte: „In einer Demokratie muss die Straße immer Recht haben.“

Die Diskussion machte deutlich, dass die Frage nach ostdeutscher Identität längst nicht nur eine historische ist. Sie berührt auch aktuelle Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts, der politischen Beteiligung und der Wahrnehmung der eigenen Region.

Energiepreise und Strukturwandel: „So kann es nicht weitergehen“

Deutlich wirtschaftspolitischer wurde die Diskussion am Nachmittag. Unter dem Titel „Kurs halten – wie schaffen wir das?“ diskutierten Kathrin Michel (MdB), Dr. Carola Neugebauer, Leiterin des Kompetenzzentrums Regionalentwicklung im BBSR, Prof. Dr. Joachim Ragnitz vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung e.V. Dresden, Michael Kellner (MdB) und Götz Gutte, Geschäftsführer der Glass Ingenieurbau Leipzig GmbH.

Ein zentrales Thema waren die hohen Energiepreise und ihre Auswirkungen auf Unternehmen und Kommunen. Aus Sicht der Teilnehmer müsse die besondere Situation der Lausitz stärker berücksichtigt werden. Der Bund müsse in die Region investieren und zugleich stärker darauf achten, was mit den bereitgestellten Mitteln tatsächlich erreicht werde und was davon bei den Bürgern und Unternehmen ankomme.

Auch die erheblichen Kostensteigerungen beim Bauen, die Entwicklung der Infrastruktur und insbesondere der Ausbau der Bahn wurden angesprochen. „Wir konnten mit diesen immensen Kostensteigerungen beim Bau nicht rechnen“, wurde mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen deutlich gemacht.

Kathrin Michel betonte die Bedeutung des direkten Austauschs mit den Menschen vor Ort. Persönliche Gespräche mit denjenigen, die von politischen Entscheidungen unmittelbar betroffen seien, könnten helfen, Sorgen und Probleme besser zu verstehen.

Mehr Austausch zwischen Bund, Ländern und Kommunen

Auch die Frage nach den politischen Entscheidungswegen spielte eine wichtige Rolle. Nach Ansicht mehrerer Teilnehmer müsse der direkte Austausch zwischen Bund und Kommunen verbessert werden. Häufig würden Informationen und Anliegen über mehrere politische Ebenen weitergegeben und dabei gefiltert.

Dr. Carola Neugebauer verwies darauf, dass aus den bisherigen Erfahrungen des Strukturwandels gelernt worden sei. „Wir haben zugehört und gelernt, auf die Kommunen zu hören, wir werden schneller“, lautete ihre Botschaft.

Gleichzeitig müsse man Prioritäten setzen und auch aus Fehlern lernen. Die Rahmenbedingungen seien schwierig, dennoch gehe es darum, konkrete Verbesserungen zu erreichen. Kritik sei dabei wichtig, müsse aber mit der Frage verbunden werden, an welchen Stellen tatsächlich nachgesteuert werden könne.

Demografie als zentrale Herausforderung

Prof. Dr. Joachim Ragnitz lenkte den Blick insbesondere auf die demografische Entwicklung. Der Rückgang des Arbeitskräftepotenzials sei eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre. Gleichzeitig gebe es in der Region noch zu wenig Forschungswirkung und zu geringe Möglichkeiten, Produktivität und Wertschöpfung zu steigern.

Aus seiner Sicht müsse die Politik insbesondere für Unternehmer mehr Freiräume schaffen. Die demografische Entwicklung sei dabei eine Herausforderung, die über einzelne kommunale Maßnahmen hinausreiche.

„Man muss immer irgendwie machen“

Deutlich unternehmerischer argumentierte Götz Gutte. Er widersprach in mehreren Punkten der Einschätzung, dass die Lausitz ihre Entwicklung allein durch politische Unterstützung voranbringen könne.

Es brauche auch mehr Eigeninitiative und den Mut, selbst etwas zu unternehmen. Gutte verwies auf Beispiele aus anderen Regionen und Ländern, in denen Unternehmen und Politik gemeinsam langfristiger planten.

Eine wichtige Rolle spielten dabei die kleinen und mittleren Unternehmen. Sie bildeten aus, investierten und hielten Wertschöpfung in der Region. Wenn große Unternehmen Ausbildungsplätze reduzierten oder Standorte schlossen, müssten mittelständische Unternehmen umso stärker unterstützt werden.

„Man muss immer irgendwie machen“, lautete eine seiner zentralen Aussagen.

Auch gegenüber der Politik formulierte Gutte deutliche Erwartungen. Es sei nicht alles „grün, was glänzt“. Gleichzeitig müsse die Lausitz ihre eigenen Stärken erkennen und nach außen tragen.

Die Region verfüge über erhebliche Potenziale, die stärker genutzt werden müssten. Infrastruktur, vorhandene Industrie, Flächen und die Nähe zu anderen Wirtschaftsräumen seien Pfunde, mit denen die Lausitz wuchern könne.

Die Lausitz muss ihre Stärken zeigen

Dabei wurde auch ein grundsätzlich positiver Blick auf die Region eingefordert. Die Lausitz müsse attraktiver werden und ihre vorhandenen Stärken offensiver kommunizieren.

Gutte formulierte dazu: „Lausitz muss man attraktiv machen. [...] Es gibt hier unschlagbare Pfunde!“

Damit verband sich eine zentrale Botschaft der Konferenz: Die Zukunft der Lausitz könne nicht ausschließlich von Förderprogrammen und politischen Entscheidungen abhängen. Ebenso wichtig seien Eigeninitiative, Unternehmertum, Investitionen, regionale Identität und die Bereitschaft, die eigenen Möglichkeiten zu nutzen.

Christine Herntier: „Nicht immer nur verbittert aufeinander schauen“

Zum Abschluss richtete Christine Herntier den Blick noch einmal auf die grundsätzliche Frage, wie Zukunft gemeinsam gestaltet werden könne.

Zukunft sei auch heute nicht eindeutig vorgezeichnet. Deshalb dürfe die Neugier nicht verloren gehen. Gleichzeitig müsse man stärker auf die Lebenswirklichkeit der Menschen reagieren und sich dafür auch die notwendige Zeit nehmen.

„Wir sollten nicht immer nur verbittert aufeinander schauen, sondern auch einmal über den Tellerrand sehen“, so Herntier.

Sie sprach sich zugleich dafür aus, dass Politiker künftig häufiger den Einladungen aus der Region folgen und stärker mit Kommunen, Unternehmen und Bürgern ins Gespräch kommen.

Für die Entwicklung der Lausitz brauche es selbstverständlich auch Investoren, die Wertschöpfung sichern und damit zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beitragen. Aufmerksamkeit dürfe dabei nicht ausschließlich denjenigen zukommen, die lautstark Kritik übten. Ebenso wichtig seien diejenigen, die Verantwortung übernähmen, investierten und konstruktiv an der Zukunft der Region arbeiteten.

Zukunftskonferenz als Plattform für Austausch

Mit der „heutigen Reise“, einer Präsentation und einem Talk von Nadja Hönicke (mousepaints.de), sowie dem anschließenden Schlusswort von Christine Herntier und Hendryk Balko endete die 3. Zukunftskonferenz der LAUSITZRUNDE.

Die Konferenz zeigte vor allem eines: Die Herausforderungen der Lausitz sind vielfältig und lassen sich nicht mit einer einzelnen Maßnahme lösen. Energiepreise, Infrastruktur, Demografie, Fachkräfte, Investitionen, politische Kommunikation und regionale Identität hängen eng miteinander zusammen.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Region über eigene Stärken und engagierte Akteure verfügt. Entscheidend wird sein, diese Kräfte stärker zu bündeln, miteinander ins Gespräch zu bringen und aus Diskussionen konkrete Schritte entstehen zu lassen.

Christine Herntier dankte abschließend allen Teilnehmern, Referenten, Gesprächspartnern und Unterstützern der 3. Zukunftskonferenz für ihren Beitrag zum Austausch und zur gemeinsamen Diskussion über die Zukunft der Lausitz.

Aufnahmen der Konferenz in Guben
Aufnahmen der Konferenz in Guben
Fotos: M. Schmidt

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