L.o Redaktion | Stadt Bautzen
Bahn-Ausbau: Bautzen fordert Planung
Rund 30 Vertreter beraten über die Strecke nach Görlitz.
Rund 30 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Forschung, Kommunen und Institutionen haben im Bautzener Alstom-Werk über die Elektrifizierung der Bahnstrecke Dresden–Görlitz beraten. Im Mittelpunkt stand die Forderung, den bislang nicht konkret geplanten Abschnitt zwischen Demitz-Thumitz und Görlitz in eine verbindliche Planung zu überführen.
Zu dem Treffen hatte Bautzens Oberbürgermeister Karsten Vogt eingeladen. Unter den Gästen waren die Bundestagsabgeordneten Dr. Paula Piechotta von Bündnis 90/Die Grünen, Kathrin Michel von der SPD und Florian Oest von der CDU. Auch Kommunen aus den Landkreisen Bautzen und Görlitz sowie Unternehmen und Forschungseinrichtungen waren vertreten.
Vogt bezeichnete die Strecke als wichtige Verbindung für Pendler, Unternehmen, Wissenschaft und den Verkehr nach Polen. Nach seinen Angaben pendeln täglich fast 18.000 Menschen in der Region zur Arbeit. Zugleich seien die Züge bereits teilweise überlastet.
Unternehmen erwarten Vorteile
Welche Folgen die fehlende Elektrifizierung für Unternehmen hat, wurde am Beispiel des Alstom-Werks deutlich. Werksleiterin Beata Krehel stellte den Bautzener Standort vor, der in diesem Jahr sein 180-jähriges Bestehen feiert und Schienenfahrzeuge für Deutschland und weitere Länder produziert.
Auf einer elektrifizierten Strecke könnten Fahrzeugtests im Hochgeschwindigkeitsbereich näher am Werk stattfinden. Auch der derzeit aufwendige Transport von Fahrzeugen nach Dresden könnte entfallen. Nach Angaben des Unternehmens ließen sich dadurch jährlich rund 100 Tonnen CO₂ einsparen und Kosten von etwa 1 Million € vermeiden.
Weitere Unternehmen verwiesen ebenfalls auf die Bedeutung der Schiene. BayWa transportierte nach eigenen Angaben innerhalb von fünf Jahren rund 687.000 Tonnen Saaten. Das entspreche etwa 27.000 Lkw-Ladungen. Bei KNDS Görlitz wächst die Produktion, während ein großer Teil der Logistik über die Straße läuft. Die Karosseriewerke Dresden betonten, dass Unternehmen für Investitionsentscheidungen verlässliche Aussagen zur Infrastruktur benötigen.
Verbindung nach Breslau gewinnt an Bedeutung
Die Teilnehmer hoben auch die grenzüberschreitende Bedeutung der Strecke hervor. Die ULT AG aus Löbau beschäftigt zahlreiche Mitarbeiter aus Polen. Für sie sei vor allem eine kurze Reisezeit wichtig.
Prof. Thomas D. Kühne vom CASUS-Institut des Helmholtz-Zentrums in Görlitz verwies auf die engere Zusammenarbeit der Forschungsstandorte Dresden und Breslau. Zwei Stunden Wartezeit beim Umstieg in Görlitz seien dafür keine tragfähige Lösung.
Thomas Freudenberg von Silicon Saxony betonte ebenfalls die Bedeutung schneller Verbindungen nach Polen. In der sächsischen Software- und Entwicklungsbranche arbeiten seinen Angaben zufolge rund 280.000 Menschen in etwa 3.600 Unternehmen. Viele Partnerunternehmen befinden sich in Breslau.
Bundestag sucht Finanzierungsmöglichkeiten
Neben der Elektrifizierung seien nach Einschätzung der Beteiligten ertüchtigte Ausweichgleise und eine leistungsfähige Gesamtstrecke erforderlich. Die fehlende Planungssicherheit erschwere zudem Investitionen in Brücken, Bahnhöfe und weitere Anlagen.
Bundestagsabgeordneter Florian Oest erklärte, im parlamentarischen Raum werde nach Finanzierungsmöglichkeiten für die notwendigen Planungen gesucht. Ziel sei eine belastbare Kosten-Nutzen-Betrachtung. Dafür benötigten die Abgeordneten Argumente aus der ostsächsischen Wirtschaft.
Die Stadt Bautzen will den Dialog mit Land und Bund gemeinsam mit den Partnern der Region fortsetzen. Ziel bleibt eine verbindliche Planung für die Elektrifizierung zwischen Demitz-Thumitz und Görlitz.
Foto: ALSTOM
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