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Lausitzer Mittelstand fordert Mitsprache

Regionale Firmen verlangen Beteiligung und faire Förderung

Cottbus (CB)
Donnerstag 19. Februar 2026
Niederlausitz
4 min
Kategorie:
Wirtschaft

Potsdam/Lausitz. Die Mittelstandsinitiative Brandenburg e.V. (MIB) hat im Brandenburger Landtag eine stärkere Einbindung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in den Strukturwandel der Lausitz gefordert. Im Sonderausschuss Lausitzer Strukturwandel stellte der Verband am Donnerstag, 13.02.2025, einen Fachbeitrag vor und warnte davor, den Mittelstand bei der Neuausrichtung der Region an den Rand zu drängen.

Lausitz im Wandel: Mittelstand will mitentscheiden

Unter dem Titel „Attraktive Lausitz durch Mitwirkung des Mittelstandes sichern“ legte die MIB eine kritische Bestandsaufnahme zur aktuellen Struktur-, Förder- und Steuerpolitik vor. Nach Ansicht des Verbandes kann die Transformation der Lausitz nur gelingen, wenn der Mittelstand als Mitgestalter einbezogen wird.

Die MIB verweist darauf, dass 99,6 % aller Unternehmen in Brandenburg KMU sind. Diese sichern nach Angaben des Verbandes über 70 % aller Arbeitsplätze und über 80 % aller Ausbildungsplätze im Land.

„Wer wirklich Beschäftigung sichern will, muss bei den Unternehmen ansetzen, die bleiben – nicht bei denen, die bilanzieren.“

KMU als Rückgrat der regionalen Wirtschaft

Im Fachbeitrag im Landtag betont die MIB die Rolle der KMU als stabilen Kern der regionalen Wirtschaft – auch für die Lausitz. Mittelständische Betriebe seien häufig der letzte Betrieb im Ort, eng mit Kunden und Gemeinden verbunden und investierten vor Ort.

Im Unterschied zu großen Industrieunternehmen, die bei Bedarf Werke ins Ausland verlagern können, blieben KMU nach Darstellung der MIB auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten in der Region. Studien und Arbeitsmarktdaten würden zeigen, dass der Mittelstand Beschäftigung eher halte und langfristiger plane.

Forderung nach neuer Förderlogik für die Lausitz

Die MIB kritisiert, dass KMU in Fördergremien und bei zentralen Entscheidungen zum Strukturwandel bislang nicht angemessen vertreten seien. Der Verband fordert eine Neuausrichtung der Förderpolitik in der Lausitz – weg von einer vorrangigen Ausrichtung auf Industrieansiedlungen, hin zu einer Stärkung bestehender mittelständischer Strukturen.

Nach Vorstellung der MIB soll die Entwicklung der Region so gestaltet werden:

  • zuerst die bestehenden KMU stärken und daraus tragfähige regionale Märkte entwickeln
  • Industrieansiedlungen sollen sich an Kompetenzen und Bedürfnissen des heimischen Mittelstands orientieren
„Politik muss von unten nach oben denken. Nicht zentralistisch, sondern realitätsnah. Nicht verwalten – sondern ermöglichen.“

Wirtschaftliche Realität im Fokus

Zur wirtschaftlichen Lage verweist die MIB auf eine Kennzahl aus dem Mittelstand: Von jedem Euro Umsatz eines mittelständischen Unternehmens bleiben nach Verbandsangaben weniger als 7 Cent als Gewinn. Nahezu die Hälfte des Erlöses fließe in Steuern, Sozialabgaben und bürokratische Vorgaben.

Gleichzeitig bemängelt der Verband mangelnde Planungssicherheit und fehlenden Zugang zu entscheidenden Gremien. Nach Einschätzung der MIB führt dies dazu, dass Investitionen zurückgefahren, Ausbildungsplätze gestrichen und ehrenamtliche Strukturen geschwächt werden. Dadurch verliere die regionale Substanz an Kraft.

Konkrete Forderungen der Mittelstandsinitiative

Um die Lausitz wirtschaftlich zu stärken, formuliert die Mittelstandsinitiative Brandenburg mehrere Kernforderungen:

  • Verbindliche Mitbestimmung in allen Förder-, Struktur- und Beteiligungsgremien
  • Gleichberechtigter Zugang zu öffentlichen Mitteln – unabhängig von Rechtsform oder Netzwerkanbindung
  • Fördervoraussetzung: nachgewiesene regionale Wertschöpfung
  • Berücksichtigung von Kriterien wie Ausbildungsleistung, Steuerkraft und Bestandsbindung bei Förderentscheidungen
  • Ein klares politisches Bekenntnis zur „Wirtschaft von unten“
„Wir fordern keine Sonderbehandlung – wir fordern faire Bedingungen.“

Ausblick für die Lausitz

Nach Auffassung der MIB entscheidet sich die Zukunft der Lausitz nicht allein in Kommissionen, sondern im Alltag der Betriebe – in Werkstätten, Büros, Läden und Familienunternehmen. Die Mittelstandsinitiative ruft die Politik dazu auf, das Vertrauen in die regionale Wirtschaftskraft zu stärken und stärker auf die Unternehmen zu setzen, die bereits heute in der Lausitz aktiv sind.

„Nicht der Subventionierte schafft Zukunft, sondern der Ermöglichte.“

Die Stellungnahme der Mittelstandsinitiative Brandenburg datiert vom Mittwoch, 18.02.2026.

Marco Schmidt spricht als Vertreter der Mittelstandsinitiative Brandenburg im Landtag Brandenburg
Marco Schmidt spricht als Vertreter der Mittelstandsinitiative Brandenburg im Landtag Brandenburg
Foto: Bildschirmfoto der Live-Übertragung aus dem Landtag

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