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Lausitz-Mummy:  Elterndämmerung
Lausitz-Mummy: Elterndämmerung

Lausitz-Mummy: Elterndämmerung

Dienstag 29. September 2026

Der Schulstart liegt hinter uns, die Herbstferien liegen vor uns. Und damit haben wir auch jene Gruppentermine hinter uns gebracht, von denen ich vor 14 Jahren nicht wusste, wie unterhaltsam und zugleich nervenaufreibend sie sein können: Elternversammlungen, wahlweise auch Elternabend oder in Krippe und Kita noch Elternnachmittag. Ich habe bis heute nicht herausfinden können, warum diese Versammlungen umso früher beginnen, je jünger das Kind ist. Vielleicht, damit Mama den Zweijährigen trotz Elternnachmittag pünktlich 18 Uhr ins Bett legen kann? Meine Kinder lagen leider weder mit zwei Monaten noch mit zwei Jahren 18 Uhr im Bett. Vielleicht glauben Kitas auch, dass Eltern mit Kleinkindern von rücksichtsvollen Kollegen schon 15 Uhr in den Feierabend geschickt werden. Wie auch immer, irgendwann zwischen 16 und 19 Uhr bringen die Elternversammlungen gut 20 Menschen zusammen, die oft nichts anderes gemeinsam haben als ihr Elternsein. Und selbst darin klaffen die Vorstellungen mitunter weit auseinander.

Eine meiner ersten und schönsten Erinnerungen reicht in die Kitazeit zurück: Die Erzieherinnen hatten sich tatsächlich die Mühe gemacht, nach dem Mittagessen mit unseren etwa Dreijährigen die Zähne zu putzen. Ich finde es schon schwer, nur einen Dreijährigen von der Notwendigkeit der Zahnpflege zu überzeugen. Umso größer mein Respekt für die Erzieherinnen, die sich um ein Dutzend müde Kinder und deren Zähne kümmern wollten. Statt also dies zu honorieren, begann doch tatsächlich eine Diskussion um die richtige Zahncreme. Es hätte dem pädagogischen Team manches erleichtert, hätte es eine Tube aufschrauben und jedem Kind einmal Zahncreme in Erbsengröße auf die Bürste geben können. Aber für einige Eltern war das nicht denkbar: „Wir benutzen zu Hause nur die Zahncreme der Marke xy und ich möchte, dass mein Kind seine Zahncreme auch in der Kita benutzt.“

Ähnliche Diskussionen haben wir in den Folgejahren zu den Hausschuhen („Ich möchte aber nicht, dass mein Kind feste Hausschuhe an den Füßen trägt.“), zum Draußenspielen („Auch wenn es schöner aussieht: Es wäre schön, wenn Sie Ihrer Tochter für das Spielen im Garten nicht Kleid und weiße Strumpfhose anziehen, sondern eine Matschhose mitgeben.“) Wir haben Diskussionen darüber geführt, was in die Brotdose gehört und was nicht und vor allem, ob die Kita dazu Vorgaben machen darf. Wir haben diskutiert, ob ein Kind in der Kita vor allem spielen oder lernen und sich auf die Schule vorbereiten soll.

Seit unsere Kinder nach und nach an die Schule wechselten, erkenne ich immer häufiger, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt. Es kommen jene Eltern zu spät, deren Kinder erst kurz vor knapp zum Unterricht erscheinen (in diese Kategorie falle ich leider gelegentlich), es schwatzen jene Eltern, deren Kinder lieber sich selbst als dem Lehrer zuhören.

Auch sonst blieben die Elternabende ähnlich unterhaltsam, allein die Themen verlagerten sich. So fühlte sich die Klassenlehrerin nach der letzten Klassenfahrt tatsächlich genötigt, die Eltern zu bitten, sie mögen künftig mehr Maß halten bei der Verpflegung ihrer Kinder. Ganze Reisetaschen voll mit Chipstüten seien ebenso unnötig wie Minikühlschränke für die mitgebrachten Snacks. Kühlschränke? Ja, Sie haben richtig gelesen! Manche Dinge würde auch ich nicht glauben, wenn mein Kind sie mir nicht bestätigt hätte.

Weitere Diskussionen drehen sich darum, warum die Kinder noch Schreibschrift lernen müssten, wie es sein könne, dass sie in den Ferien Hausaufgaben bekommen und ob man wirklich verlangen könne, dass das Kind in einer Woche drei Arbeiten schreibe. Wenn ich diese Debatten so verfolge, wundere ich mich nicht über den steten Sinkflug der PISA-Ergebnisse.

Durch die unzähligen Elternversammlungen habe ich verstanden, warum Pädagogen die Elternarbeit oft als viel anstrengender empfinden als die mit den Kindern. Wir sind mit dem Thema für dieses Schulhalbjahr glücklicherweise durch.

Eure Lausitz-Mummy