Ostersängerinnenmit der „Tracht des Jahres 2026“
Jahrzehnte alte Tradition erhält bundesweite Auszeichnung
Lübbenau. Großer Jubel für die Lausitz: Die Tracht der Lausitzer Ostersängerinnen ist zur „Tracht des Jahres 2026“ gekürt worden. Die Auszeichnung wurde am Samstag im Rahmen des Deutschen Trachtentages in Lübbenau durch Brandenburgs Ministerpräsidenten Dr. Dietmar Woidke verliehen. Für die engagierten Frauen aus der Lausitz ist dies weit mehr als eine Ehrung ihrer Tracht – es ist eine Anerkennung für die Bewahrung einer jahrhundertealten Tradition.
Markt der Traditionen lockt Besucher in den Rosengarten
Bereits am Vormittag eröffneten Lübbenaus Bürgermeister Helmut Wenzel und der Präsident des Deutschen Trachtenverbandes, Knut Kreuch, den „Markt der Traditionen“ im Rosengarten. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, traditionelles Handwerk kennenzulernen, mit Trachtenträgern aus ganz Deutschland ins Gespräch zu kommen und ein abwechslungsreiches Kulturprogramm zu erleben.
Musik- und Tanzgruppen aus verschiedenen Regionen Deutschlands sorgten auf der Bühne für Stimmung und zeigten eindrucksvoll die Vielfalt der deutschen Trachtenlandschaft. Immer wieder blieben Besucher stehen, um die kunstvollen Gewänder zu bestaunen und mehr über deren Geschichte zu erfahren.
Von sieben Frauen zur erfolgreichen Bewegung
Besonders groß war die Freude bei den Ostersängerinnen der Lausitz. Die Tradition war in den 1950er Jahren nahezu verschwunden. Während im oberlausitzer Ort Schleife diese Tradition vor 2011 wiederbelebt wurde, begannen sieben Frauen aus Jänschwalde ab 2011, und waren somit Impulsgeber für die Niederlausitz, dieses alte Brauchtum wiederzubeleben.
Heute gehören Frauen und Mädchen aus zahlreichen Orten der Lausitz dazu – darunter Jänschwalde, Heinersbrück, Dissen, Sielow, Schleife, Schwarzkollm und inzwischen auch Cottbus. Sie alle verbindet das gleiche Ziel: die sorbisch/wendischen Osterbräuche für kommende Generationen zu erhalten.
„Wir möchten zeigen, dass unsere Traditionen lebendig sind und auch junge Frauen begeistern können“, betonen die Ostersängerinnen immer wieder bei ihren Auftritten.
Gesungen wird auf Wendisch und Deutsch
Die Vorbereitungen für das Ostersingen beginnen bereits Wochen vor dem Osterfest. Während der Passionszeit treffen sich die Frauen regelmäßig, um die traditionellen Lieder zu proben.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der wendischen Sprache. Die Gesänge werden sowohl auf Deutsch als auch auf Wendisch vorgetragen, wobei das Wendische einen zentralen Stellenwert einnimmt.
Die Auftritte finden traditionell am Palmsonntag in Jänschwalde und am Karfreitag in Dissen statt. Am Karfreitag tragen die Sängerinnen diese eindrucksvolle Tieftrauertracht, Alle Trachtenteile sind hierbei schwarz, ergänzt durch eine weiße Haube.
Viele ihrer Lieder erklingen in den frühen Morgenstunden – oftmals zum Sonnenaufgang – und schaffen eine einzigartige Atmosphäre, die Besucher und Teilnehmer gleichermaßen bewegt.
Bundesweite Anerkennung für ein Stück Lausitzer Identität
Die Ehrung zur „Tracht des Jahres 2026“ wurde zunächst im Rahmen der Bundesgeneralversammlung des Deutschen Trachtenverbandes im Rathaus von Lübbenau verliehen. Am Nachmittag präsentierten die Ostersängerinnen ihre ausgezeichnete Tracht dann auf dem „Markt der Traditionen“ der Öffentlichkeit.
Für die Lausitz ist die Auszeichnung ein starkes Zeichen. Sie macht deutlich, dass regionale Bräuche, die Pflege der sorbisch/wendischen Kultur und das ehrenamtliche Engagement vieler Frauen weit über die Region hinaus wahrgenommen und geschätzt werden.
Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke würdigte die Bedeutung solcher Traditionen für Brandenburg und Deutschland. Die Auszeichnung zeige, wie lebendig kulturelles Erbe sein könne, wenn Menschen bereit seien, es mit Leidenschaft weiterzutragen.
Mit der Wahl zur „Tracht des Jahres 2026“ stehen die Ostersängerinnen der Lausitz nun bundesweit im Fokus – und beweisen eindrucksvoll, dass Tradition keineswegs Vergangenheit bedeutet, sondern auch Zukunft haben kann.
Foto: A.Radtke
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