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Lausitz, 14.10.2026

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L.o Redaktion | Stadt Senftenberg

Wolfgang Kaiser: Von der Kohle zum See

Der 90-jährige Sedlitzer prägte den Lausitzer Bergbau und seinen Heimatort. Heute erlebt er am Sedlitzer See den Wandel einer ganzen Landschaft.

Oberspreewald-Lausitz (OSL)
Mittwoch 02. September 2026
Niederlausitz
5 min
Von: L.o Redaktion | Stadt Senftenberg
Kategorie:
Strukturwandel

Wolfgang Kaiser aus Sedlitz hat sein Berufsleben der Braunkohle gewidmet. Heute ist der 90-Jährige eng mit dem Sedlitzer See verbunden. Wo er einst durch Tagebausand lief, erstreckt sich inzwischen das größte Gewässer des Lausitzer Seenverbundes.

Bei der Hafeneinweihung im Mai 2026 fuhr Kaiser mit einem Boot auf den See hinaus. Für den früheren Bergmann war das ein emotionaler Moment. Der Tagebau vor seiner Haustür hatte nicht nur seinen Beruf geprägt: Seine Diplomarbeit beschäftigte sich mit der damals geplanten Kohlegewinnung im Südfeld des Tagebaus Sedlitz.

Heute liegen zwischen seinem Garten und dem See nur wenige hundert Meter. Kaiser verfolgt aufmerksam, wie sich seine Heimat verändert. Der Rostige Nagel, der Rundweg um den Sedlitzer See und der Hafen gehören für ihn zu einer Landschaft, deren frühere Gestalt er noch aus eigener Erfahrung kennt.

Vom Ökonomen zum stellvertretenden Generaldirektor

Der gebürtige Hosenaer begann 1961 als Ökonom im Braunkohlenwerk Großräschen. Ein Fernstudium der Tagebautechnik an der Ingenieurschule Senftenberg eröffnete ihm weitere berufliche Möglichkeiten.

Über verschiedene Leitungsfunktionen stieg Kaiser zum Abteilungs- und Hauptabteilungsleiter auf. Später arbeitete er als Direktor für Planung und Vorbereitung von Investitionen im damaligen Braunkohlenkombinat Senftenberg und schließlich als stellvertretender Generaldirektor.

Damit trug er Verantwortung für Investitionen rund um Tagebaue, Brikettfabriken und Kraftwerke – von der Planung über die Vorbereitung bis zur Umsetzung. Auch nach der politischen Wende blieb er der Branche verbunden. Bis zu seinem Ruhestand 1999 war er Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Kohle und dort für die ostdeutsche Braunkohleindustrie zuständig.

16 Jahre Ortsvorsteher in Sedlitz

Trotz seiner beruflichen Laufbahn kam es für Kaiser nicht infrage, Sedlitz zu verlassen. Angebote für einen Ortswechsel schlug er aus, weil er und seine Frau in dem Ort verwurzelt waren.

Diese Verbundenheit zeigte sich auch in seinem ehrenamtlichen Einsatz. Insgesamt 16 Jahre war Wolfgang Kaiser Ortsvorsteher von Sedlitz. In diese Zeit fielen unter anderem die Neustrukturierung des Dorfangers, die Rekonstruktion der Kirche, der Erweiterungsbau für das Oberstufenzentrum, der Neubau der Feuerwehr und die neue Brücke über die Gleisanlagen.

Neben Beruf und Ehrenamt spielte die Natur eine wichtige Rolle. Knapp 30 Jahre lang hielt Kaiser Bienen. Zugleich reiste er gemeinsam mit seiner Frau unter anderem nach Nordamerika, Südafrika, Namibia, Neuseeland, Australien, China, Dubai und Island. Fünf Jahre war er zudem als Reiseleiter mit Gästen in Europa bis hinauf zum Nordkap unterwegs.

Auch mit 90 Jahren ist Kaiser regelmäßig zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit dem Auto unterwegs. Er beobachtet, was sich in Sedlitz und rund um den See entwickelt. Den Wandel vom Tagebau zur Seenlandschaft betrachtet er dabei nicht als Bruch mit seiner Vergangenheit: Die Heimat ist dieselbe geblieben, auch wenn heute Wasser, Radwege und schiffbare Kanäle das Bild bestimmen.

Ein weiteres persönliches Ereignis steht für Wolfgang Kaiser und seine Frau noch 2026 bevor: Nach 67,5 Ehejahren feiern sie ihre Steinerne Hochzeit.

Wenn Wolfgang Kaiser seine Runde dreht, dann ist der Sedlitzer Hafen immer ein fester Ankerpunkt bei seinen Spaziergängen durch den Ortsteil.
Wenn Wolfgang Kaiser seine Runde dreht, dann ist der Sedlitzer Hafen immer ein fester Ankerpunkt bei seinen Spaziergängen durch den Ortsteil.
Foto: Rasche/Stadt Senftenberg

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