L.o Redaktion
Weichenstellung für die Lausitz
LEAG reicht am Tag des Fristablaufs Gebote für neues H2-ready Gaskraftwerk in Schwarze Pumpe ein
Cottbus / Spremberg, 8. September 2026 – Am heutigen Dienstag endet die Bewerbungsfrist für die erste Ausschreibungsrunde nach dem neuen Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz (StromVKG). Der Energiekonzern LEAG hat diesen Stichtag genutzt, um seine verbindlichen Gebote für den Bau moderner, wasserstofffähiger Gas- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD) bei der Bundesnetzagentur einzureichen. Im Fokus steht dabei insbesondere der Industriepark Schwarze Pumpe, wo eine hochflexible Anlage mit einer Leistung von 800 bis 870 Megawatt entstehen soll. Das Kraftwerk wird primär in Phasen sogenannter Dunkelflauten – wenn weder Wind- noch Solarenergie ausreichend Strom liefern – flexibel hochgedreht, um die Netzstabilität abzusichern.
Technologische Vorreiterrolle und Ressourcenschonung
Das geplante Kraftwerk wird von Beginn an „H2-ready“ gebaut. Dies bedeutet, dass die Turbinen nach einer ersten Betriebsphase mit Erdgas schrittweise vollständig auf den klimaneutralen Energieträger Wasserstoff umgestellt werden können, sobald das geplante Wasserstoff-Kernnetz zur Verfügung steht. Um die regionalen Wasserressourcen zu schonen, setzt die LEAG bei der Kühlung der Anlage auf einen innovativen luftgekühlten Kondensator anstelle eines klassischen Nasskühlturms. Ein wichtiges Signal für die Region: Ostdeutschland ist in diesem ersten Ausschreibungsverfahren ein festes Kontingent von rund einem Drittel der Gesamtkapazitäten zugesichert.
Kritik an staatlicher Interventionsstrategie und Marktverzerrung
Die Strategie der Bundesregierung steht jedoch unter erheblicher ökonomischer Kritik. Da der Neubau rein darauf ausgelegt ist, die wetterbedingte Unbeständigkeit und mangelnde Planbarkeit von Wind- und Solarkraft abzufedern, verfolgen diese Kraftwerke keinen klassischen, marktgetriebenen Wirtschaftszweck mehr. Kritiker bemängeln, dass hier mit immensen Summen an Steuer- und Verbrauchergeldern ein System künstlich gestützt wird, bei dem Energieerzeuger wie die LEAG hohe garantierte Zahlungen allein für das passive Vorhalten von Erzeugungskapazitäten erhalten. Statt auf marktwirtschaftlichen Wettbewerb setze der Staat auf ein planwirtschaftliches Sicherheitsnetz, dessen langfristige Kosten über eine neue Umlage ab 2031 einseitig auf die Stromverbraucher abgewälzt werden.
Standortsicherung: Warum die Lausitz das Kraftwerk trotz aller Kritik braucht
Ungeachtet der Debatte um diese fragwürdige staatliche Gesamtstrategie ist die Realisierung des Projekts für die Lausitz von fundamentaler Bedeutung. Die Region ist geschichtlich seit Generationen das energetische Herz Ostdeutschlands. Hier ist über Jahrzehnte hinweg eine einzigartige industrielle Fachkompetenz in der Energieerzeugung und Netzführung herangewachsen. Die Lausitz verfügt über die qualifizierten Fachkräfte und die Infrastruktur, die für den sicheren Betrieb solcher technologisch anspruchsvollen Großanlagen zwingend erforderlich sind. Der Kraftwerksneubau sichert dieses wertvolle Know-how vor Ort und garantiert, dass die Lausitz auch in der neuen Energiewelt ein verlässlicher Pfeiler der Versorgungssicherheit bleibt.
Wirtschaftlichkeit durch den neuen Kapazitätsmarkt
Die Einreichung der heutigen Gebote basiert dennoch maßgeblich auf dieser vom Bund geschaffenen Struktur und der jüngsten beihilferechtlichen Genehmigung der EU-Kommission für den deutschen Kapazitätsmechanismus, der ein Fördervolumen von bis zu 35 Milliarden Euro umfasst. Durch dieses System wird die ständige Betriebsbereitschaft solcher Sicherheitskraftwerke finanziell garantiert. Gemäß den gesetzlichen Vorgaben müssen alle geförderten Kraftwerke bis spätestens 2045 vollständig treibhausgasneutral betrieben werden. Die Bundesregierung will die Zuschläge dieser ersten Welle bereits im November erteilen.
Über die LEAG:
Die LEAG ist der zentrale Energieerzeuger in Ostdeutschland und gestaltet mit ihrer „GigawattFactory“ aktiv den Strukturwandel in der Lausitz. Durch den parallelen Ausbau von Groß-Photovoltaikanlagen, Windparks, Batteriespeichern und wasserstofffähigen Kraftwerken transformiert das Unternehmen die Region zu einem der modernsten Zentren für grüne Energie in Europa.
Foto: Archiv
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