B87-Ausbau: Region erhöht Druck
Kammern und Kommunen fordern mehr Tempo für Planung
In der Region Leipzig-Lausitz wächst der Druck auf Bund und Länder: Die IHK Leipzig, die IHK Cottbus, die Städte Torgau und Leipzig sowie die Landkreise Nordsachsen und Elbe-Elster haben ihre Forderungen zum Ausbau der B87 erneuert. Mit der Torgauer Erklärung 2.0 verlangen sie mehr Engagement für eine leistungsfähige Straßeninfrastruktur zwischen Leipzig, Torgau, Herzberg und der Lausitz.
Hintergrund ist der seit Jahren aus Sicht der Unterzeichner ausbleibende Fortschritt. Bereits 2017 hatten die beteiligten Akteure ihre Erwartungen an die Bundesregierung sowie an die Landesregierungen in Sachsen und Brandenburg formuliert. Acht Jahre später seien kaum Ergebnisse sichtbar. Nach Angaben der Unterzeichner wartet die Region seit mehr als zwei Jahrzehnten auf Fortschritte bei Planung und Umsetzung.
Forderung nach schnellerer Planung und festem ZeitplanDie Erklärung richtet sich an politische Entscheidungsträger in Bund und Ländern. Gefordert werden eine sofortige Planungsbeschleunigung bei den Ortsumfahrungen Torgau, Mockrehna, Doberschütz, Taucha und Herzberg (Elster) sowie ein verbindlicher Zeitplan für Planung und Bau. Hinzu kommt die Forderung nach einem dreispurigen Ausbau von Streckenabschnitten zwischen Leipzig und der Lausitz.
Außerdem verlangen die Unterzeichner eine verbindliche Zusicherung der Finanzierung durch den Bund und mehr politisches Engagement bei der länderübergreifenden Zusammenarbeit.
Warum die B87 für die Region wichtig istDie Bundesstraße 87 verbindet Leipzig über Torgau und Herzberg bis nach Frankfurt (Oder). Nach Angaben aus der Erklärung ist sie eine zentrale Verkehrsachse für Industrie, Handwerk, Landwirtschaft, Tourismus und Logistik. Rund 20.000 Beschäftigte in etwa 2.000 Betrieben seien direkt auf diese Verbindung angewiesen.
Täglich nutzen demnach bis zu 15.000 Fahrzeuge die Strecke, darunter etwa ein Viertel Lastkraftwagen. Die Straße sei bereits stark ausgelastet. Zugleich müsse sie eine wachsende Verkehrsbelastung von jährlich rund 2 Prozent aufnehmen. Genannt werden Staus, Engstellen und häufige Unfälle durch riskante Überholvorgänge. Auch Anwohner, Betriebe und touristische Zentren litten unter Lärm und Abgasen.
Auch Holzdorf erhöht den BedarfZusätzlichen Druck sieht die Region durch den Ausbau des Fliegerhorsts Schönewalde/Holzdorf. Der Standort soll zum größten Luftwaffenstützpunkt in Ostdeutschland ausgebaut werden und künftig als zentraler Standort für schwere Transporthubschrauber dienen. Schon jetzt arbeiten dort laut Erklärung rund 1.800 Menschen. Weitere 700 militärische und zivile Beschäftigte sollen hinzukommen.
Mit dem Ausbau werde ein Zuzug von mindestens 1.000 bis 1.200 Menschen in die Region erwartet. Aus Sicht der Unterzeichner ist deshalb eine leistungsfähige Verkehrsanbindung im Umkreis von 50 Kilometern notwendig.
Kritik an der bisherigen EinstufungDie B87 ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 nach Angaben der Erklärung lediglich im weiteren Bedarf eingestuft. Die Unterzeichner sehen darin ein infrastrukturelles Nadelöhr, das die Entwicklung der Region ausbremst. Unternehmen würden Investitionen meiden, Fachkräfte abgeschreckt und die Standortattraktivität in Nordsachsen und Elbe-Elster leide.
Unternehmen, Kommunen und Institutionen sind aufgerufen, die Torgauer Erklärung 2.0 ebenfalls zu unterzeichnen.
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