Zwischen Erinnerung, Aufarbeitung und Gegenwart
Veranstaltungsreihe im Menschenrechtszentrum Cottbus
Im April und Mai wird das Menschenrechtszentrum Cottbus erneut zu einem Ort intensiver Auseinandersetzung mit Geschichte, Diktaturerfahrung und deren Folgen bis in die Gegenwart. Das neue Veranstaltungsprogramm zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig und zugleich politisch und gesellschaftlich relevant die Arbeit der Gedenkstätte heute ist.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassische Erinnerungskultur. Das Programm verbindet Film, Wissenschaft, Ausstellungen, Zeitzeugengespräche, Bildungsarbeit und öffentliche Diskussion – und zeigt damit, wie lebendig und zugleich brisant die Aufarbeitung der DDR-Geschichte noch immer ist.
Film, Forschung und Zeitzeugen
Ein Höhepunkt ist die Brandenburg-Premiere des Dokumentarfilms „Spione unter uns“, die gemeinsam mit dem Obenkino im GladHouse gezeigt wird. Im Anschluss folgt ein Filmgespräch mit Beteiligten des Films sowie mit dem ehemaligen politischen Häftling und heutigen wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Peter Keup.
Eine Woche später steht dann ein Thema im Mittelpunkt, das besonders sensibel ist: In einem Vortrag stellt Dr. Peter Keup seine Forschung zur Frage vor, wie politische Häftlinge im DDR-Strafvollzug unter Druck zu Systemkollaborateuren wurden. Es geht dabei um Schuld, Anpassung, moralische Grauzonen und die schwierige Frage nach Täter- und Opferrollen – ein Thema, das bis heute emotional und politisch aufgeladen ist.
Ende Mai wird eine neue Sonderausstellung eröffnet, die den Blick auf die Zeit nach der politischen Haft richtet. „Leben nach der Haft“ erzählt die Lebensgeschichten ehemaliger politischer Gefangener – von Brüchen in den Biografien, Neuanfängen und den langfristigen Folgen politischer Repression. Damit rückt ein Thema in den Mittelpunkt, über das lange wenig gesprochen wurde: Was passierte eigentlich mit den Menschen nach der Entlassung?
Parallel dazu wird die Ausstellung „Stasi – Was war das?“ gezeigt, die insbesondere jüngeren Generationen die Arbeitsweise und Wirkung der DDR-Staatssicherheit vermittelt.
Auffällig am gesamten Programm ist, dass es nicht nur um historische Rückblicke geht. Viele Veranstaltungen schlagen bewusst eine Brücke in die Gegenwart – etwa bei den Nagelkreuzandachten, bei denen auch an Menschen erinnert wird, die heute in Diktaturen inhaftiert sind. Hinzu kommen Bürgerberatungen zur Einsicht in Stasi-Unterlagen, öffentliche Führungen durch das ehemalige Gefängnis sowie Zeitzeugenführungen, bei denen ehemalige Häftlinge selbst über ihre Erfahrungen berichten.
Bildungsarbeit mit jungen MenschenEin wichtiger Schwerpunkt ist auch die Arbeit mit Jugendlichen. Mit dem Projekt „Cottbus History Hub“ können junge Menschen sich kreativ mit der Geschichte von Diktatur und Repression auseinandersetzen – etwa in Podcasts, Theaterprojekten, Schreibwerkstätten oder Jugendcamps. Es geht dabei nicht nur um Geschichte, sondern auch um die Frage, was Freiheit, Demokratie und Menschenrechte heute bedeuten.
Ein Ort, der für die Lausitz wichtig istDas Programm zeigt: Das Menschenrechtszentrum Cottbus ist nicht nur Gedenkstätte, sondern ein wichtiger Bildungs-, Diskussions- und Erinnerungsort für die Lausitz. Hier wird nicht nur Vergangenheit dokumentiert, sondern es werden Fragen gestellt, die bis in die Gegenwart reichen: Wie funktionieren Diktaturen? Wie verhalten sich Menschen unter Druck? Was bedeutet Freiheit? Und wie geht eine Gesellschaft mit ihrer eigenen Geschichte um?
Oder anders gesagt: Wer verstehen will, warum Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sollte sich das Programm in den kommenden Wochen ansehen.
Weitere Informationen und das vollständige Programm: www.menschenrechtszentrum-cottbus.de
Foto: Tudyka.PR
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