News & Nachrichten aus der Lausitz
Studie zum Niedersorbischen
Neue Befunde für Lausitz und Sprachplanung
Lausitz. Eine neue Studie des Sorbischen Instituts beschreibt die aktuelle Lage der niedersorbischen Sprache in der Niederlausitz und benennt Ansätze für ihre Revitalisierung. Für die Region ist das vor allem deshalb relevant, weil die Untersuchung eine wissenschaftliche Grundlage für den seit Sommer 2025 laufenden Dialogprozess SROKA liefert, in dem eine Sprachplanungsstrategie für das Niedersorbische erarbeitet wird.
Veröffentlicht wurde der Beitrag unter dem Titel „Ich spüre so einen Aufschwung gegenüber der Sprache“ – Die Situation der niedersorbischen Sprache und Potenziale ihrer Revitalisierung. Autoren sind Julija Běrinkowa, Lutz Laschewski und Sophie Rädel vom Sorbischen Institut. Erschienen ist die Studie in der Zeitschrift Sprachpolitik & Sprachenpolitik, Jahrgang 1, Nummer 1, 2026, Seiten 103 bis 145.
Was die Studie zeigtNach Einschätzung der Autoren wird das Niedersorbische heute nicht mehr vorrangig von traditionellen Sprechern getragen, sondern zunehmend von einer Lern- und Neusprechenden-Gemeinschaft. Zugleich sieht die Untersuchung Anzeichen einer Wiederbelebung.
Als positive Entwicklungen nennt die Studie eine verbesserte Einstellung zum Niedersorbischen und wieder mehr junge Sprecher. Auch in der Erwachsenenbildung gibt es Bewegung: Die Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur verzeichnet steigende Schülerzahlen. Das Sprachprojekt „Zorja“ erprobt zudem erstmals immersive Intensivkurse für Erwachsene.
Grundlage für weitere EntscheidungenDie Analyse erfasst die ethnolinguistische Vitalität des Niedersorbischen anhand von Literatur, Dokumenten, statistischen Daten und 34 qualitativen Interviews mit sprachpolitischen Akteuren. Laut Julija Běrinkowa erfasst diese Methodenkombination objektive und subjektive Wahrnehmungen, die standardisierte Befragungen allein nicht abbilden könnten.
„Der Text bietet eine Grundlage für sprachpolitische Diskussionen und Entscheidungen.“
Die Studie dient damit als fachliche Basis für den Dialogprozess im Projekt „Masterplan zur Revitalisierung der niedersorbischen Sprache“, kurz SROKA. In diesem Prozess arbeiten sorbische und staatliche Institutionen, Interessenvertretungen und die Zivilgesellschaft an einer Sprachplanungsstrategie.
Wo Handlungsbedarf bestehtTrotz der beschriebenen positiven Ansätze benennt die Untersuchung klare Defizite. Es fehlen qualifizierte Lehrkräfte, Sprachräume und eine koordinierende Sprachplanung. Nach Auffassung der Autoren reicht es für eine nachhaltige niedersorbische Sprachenpolitik nicht aus, nur die individuelle Sprachaneignung zu fördern. Nötig sei auch die Stärkung kollektiver Sprachpraxis.
Daraus leitet die Studie den Bedarf an einer institutionenübergreifenden Sprachplanung ab. Das Projekt SROKA soll dafür die Grundlage schaffen.
Veröffentlichung und FörderungDer Beitrag ist im Open Access frei abrufbar: https://doi.org/10.14618/spr_1_2026_ber
Das Projekt „Masterplan zur Revitalisierung der niedersorbischen Sprache“ (SROKA) wird durch die Stiftung für das sorbische Volk aus Mitteln des Bundesministeriums des Inneren auf Grund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Weitere Informationen zum Projekt stehen unter www.sroka-plan.org.
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