C.M.Schwab
Cottbus zeichnet seine Besten aus
Wirtschaft braucht mehr als gute Geschäfte
31 Unternehmen als „Attraktive Arbeitgeber“ geehrt – KaRli KonsumLokal gewinnt neuen Publikumspreis „Mittelpunkt Wirtschaft“ – Wirtschaftsforum zeigt, warum Unternehmenskultur, Lebensqualität und eine lebendige Innenstadt für die Zukunft von Cottbus entscheidend sind.
Was macht ein Unternehmen erfolgreich? Sind es wirtschaftliche Kennzahlen, innovative Produkte, zufriedene Mitarbeiter oder die Wertschätzung seiner Kunden? Beim Wirtschaftsforum Cottbus 2026 am 8. Oktober im Holiday Inn wurde deutlich: Wirtschaftlicher Erfolg hat viele Facetten. Unter dem Motto „Transformation trifft Tradition“ wurden 31 Unternehmen als „Attraktive Arbeitgeber“ ausgezeichnet. Zugleich feierte der neue Cottbuser Wirtschaftspreis „Mittelpunkt Wirtschaft“ seine Premiere. Rund 3.000 Menschen beteiligten sich an der Publikumsabstimmung und wählten ihre Lieblingsunternehmen.
Mitarbeiterzufriedenheit ist längst eine Führungsaufgabe
Bereits zum dritten Mal zeichnete die EGC Entwicklungsgesellschaft Cottbus Unternehmen aus, die sich in besonderer Weise für gute Arbeitsbedingungen, Mitarbeiterentwicklung und eine wertschätzende Unternehmenskultur engagieren. Dabei ging es nicht um wohlklingende Versprechen oder einzelne Zusatzleistungen. Ein umfangreiches Bewertungsverfahren, detaillierte Fragen und persönliche Besuche einer neunköpfigen Fachjury sollten zeigen, wie Arbeitgeberattraktivität tatsächlich im betrieblichen Alltag gelebt wird.
Die Anforderungen wurden in diesem Jahr nochmals erhöht. Dennoch erfüllten 31 Unternehmen die Kriterien und dürfen sich nun „Attraktiver Arbeitgeber 2026“ nennen.
Besonders bemerkenswert: Die Cottbuser Niederlassung der Sparda-Bank Berlin erreichte 89 von 90 möglichen Punkten und damit das beste Ergebnis des diesjährigen Wettbewerbs.
Wie sehr sich die Anforderungen an Arbeitgeber verändert haben, wurde auch im Moderatoren-Dialog zwischen EGC-Geschäftsführer Tim Berndt und seiner Mitarbeiterin Solveig Schaal deutlich. Aus den Jurybesuchen nahm Schaal vor allem eine Erkenntnis mit: Mitarbeiterzufriedenheit ist längst nicht mehr nur einer von vielen Erfolgsfaktoren. Sie ist zunehmend zum Kern der Unternehmenskultur geworden und prägt Prozesse, Strukturen und Führungsentscheidungen.
Als besonders eindrucksvoll beschrieb sie neben der Sparda-Bank auch den Besuch bei einem Lebensmitteleinzelhändler. Dort habe sich gezeigt, welche Wirkung eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, flexible Arbeitsbedingungen und die Beteiligung der Beschäftigten an wichtigen Entscheidungen entfalten können. Eine Erkenntnis, die Tim Berndt auf den Punkt brachte: Wer einen großen Teil seines Lebens bei der Arbeit verbringt, sollte dort mehr finden als nur sein Gehalt.
Dass dies keine Frage der Unternehmensgröße ist, zeigt die Vielfalt der ausgezeichneten Betriebe. Sie reicht vom Handwerk und Einzelhandel über soziale und medizinische Einrichtungen bis zu großen Industrieunternehmen.
Cottbus hat seine Lieblingsunternehmen gewählt
Während beim Wettbewerb „Attraktiver Arbeitgeber“ eine Fachjury entschied, lag die Wahl beim erstmals vergebenen Wirtschaftspreis „Mittelpunkt Wirtschaft“ in den Händen der Cottbuser selbst.
Die gemeinsame Initiative von IHK Cottbus, Handwerkskammer Cottbus und EGC unter der Schirmherrschaft des Wirtschaftsbeirates des Oberbürgermeisters würdigt Unternehmen, die das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt auf besondere Weise bereichern.
73 Unternehmen wurden während der öffentlichen Nominierungsphase vorgeschlagen. Eine Jury bestimmte zehn Finalisten. Anschließend entschieden rund 3.000 Teilnehmer in einer Onlineabstimmung über die Platzierungen.
Den ersten Platz sicherte sich das KaRli KonsumLokal von Willi Heinrich. Mit seinem Retroflair, regionalen Spezialitäten und einer offenen, ungezwungenen Atmosphäre hat sich das KaRli als beliebter Treffpunkt für unterschiedliche Generationen etabliert. Fast ein Viertel aller abgegebenen Stimmen entfiel auf das Unternehmen.
Platz zwei ging an die Pension & Restaurant Nordstern von Sandra und Stephan Kossack. Die Gastgeber überzeugten mit regionaler Küche, persönlicher Gastfreundschaft und einem Angebot, das bei ihren Gästen offenkundig großen Zuspruch findet.
Den dritten Platz belegte „mal mal“ von Janett Scheck. Das Unternehmen bietet kreative Möglichkeiten zum individuellen Gestalten und verbindet gemeinschaftliche Erlebnisse mit einer familiären Atmosphäre.
Die drei Preisträger stehen beispielhaft für eine Qualität, die sich nicht allein in Umsätzen oder Beschäftigtenzahlen messen lässt: Sie schaffen Orte, an denen Menschen gern zusammenkommen.
Strukturwandel braucht auch eine lebenswerte Innenstadt
Dass wirtschaftliche Entwicklung weit über Unternehmensansiedlungen und neue Arbeitsplätze hinausgeht, zeigte ein weiterer Gesprächsteil des Wirtschaftsforums.
Im Austausch zwischen Nicole Rauer, Immobilienexpertin und Unternehmerin (Bautec) und Patrick Martin von Oceanview Capital, verantwortlich für die Entwicklung des Immobilienvorhabens Schlosskirchquartier in der Cottbuser Innenstadt, rückten veränderte Nutzungsansprüche, neue Wohnangebote und die Frage in den Mittelpunkt, wie die Stadt für zuziehende Fachkräfte attraktiver werden kann. Martin berichtete von umfangreichen Umgestaltungen bisheriger Gewerbeflächen zu Wohnungen und von einer spürbar veränderten Nachfrage. Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem, neue Industrieansiedlungen und weitere Strukturwandelprojekte würden bereits heute das Interesse am Standort verändern. Doch mit einem Arbeitsplatz allein sei es nicht getan. Menschen, die nach Cottbus ziehen wollen, fragen auch nach hochwertigen Wohnungen, Freizeitmöglichkeiten, attraktiven Treffpunkten und einem lebendigen städtischen Umfeld.
Wie konkret diese Fragen sind, verdeutlichte Martin mit einem aktuellen Beispiel: Zwei Ärzte aus Kassel und München, die künftig in Cottbus arbeiten möchten, hatten sich nach Wohnmöglichkeiten erkundigt. Ihre entscheidende Frage war nicht nur, wo sie wohnen könnten, sondern auch, wie und wo sie in Cottbus leben würden.
Damit berührte das Gespräch eine zentrale Herausforderung des Strukturwandels: Neue Arbeitsplätze bringen Menschen in die Region. Ob sie dauerhaft bleiben, entscheidet sich aber wesentlich an der Lebensqualität.
Lausitzer Wein- und Genusskultur als Standortfaktor
Eine interessante Perspektive eröffnet dabei das Schlosskirchquartier. Hier sollen nicht nur hochwertige Wohnangebote entstehen, sondern auch neue Orte der Begegnung.
Eine der Ideen von Patrick Martin ist die Entwicklung eines zentralen Anlaufpunktes für Lausitzer Wein- und Genusskultur. Ein vorhandener historischer Keller könnte dafür eine besondere Kulisse bieten. Die Lausitz besitzt eine lange, heute vielfach vergessene Weinbautradition. In den vergangenen Jahren haben engagierte Winzer diese Tradition wiederbelebt. Hinzu kommen regionale Produzenten hochwertiger Lebensmittel, etwa aus der Käse- und Wurstherstellung. Was bislang fehlt, ist ein zentraler Ort, an dem diese Angebote zusammengeführt, präsentiert und verkostet werden können. Gemeinsam mit Winzern, weiteren Partnern und der Wirtschaftsförderung wird deshalb über ein entsprechendes Konzept nachgedacht. Die Idee besitzt durchaus Symbolkraft: Wo einst die Braunkohlewirtschaft die Region prägte, entstehen heute nicht nur neue Technologien und Industrien, sondern auch neue Formen regionaler Wertschöpfung und Genusskultur.
Das wäre zugleich ein Beitrag zur Belebung der Innenstadt und zur Profilierung von Cottbus als attraktiver Wohn- und Lebensstandort.
Cottbus 2030: Mehr Leben, mehr Mut, mehr Begegnung
Zum Abschluss des Gesprächs richtete sich der Blick auf das Jahr 2030. Woran würde sich erkennen lassen, dass die Entscheidung für Cottbus richtig war?
Patrick Martin zeigte sich zuversichtlich, dass die Wachstumsdynamik der Stadt anhalten werde. Seine Vorstellung: eine deutlich belebtere Innenstadt, mehr Menschen, die dort wohnen, beleuchtete Fenster am Abend und neue Orte, an denen man sich trifft.
Nicole Rauer verband ihre Zukunftsvision mit dem Wunsch, Cottbus möge sich seine Eigenart bewahren und zugleich den Mut zur Weiterentwicklung nicht verlieren. Gerade für Investoren und Immobilienentwickler sieht sie gegenwärtig besondere Chancen: „Wer heute in Cottbus investiert, kann noch mitgestalten. In fünf Jahren kann man sich nur noch einmieten.“ Eine zugespitzte Prognose, die vor allem eines verdeutlicht: Die aktuelle Phase des Strukturwandels eröffnet Möglichkeiten, die Entwicklung der Stadt aktiv mitzuprägen.
Damit schloss sich der Kreis zum Motto des Wirtschaftsforums: „Transformation trifft Tradition“.
Denn die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Cottbus entscheidet sich nicht allein an großen Investitionen, Forschungsinstituten oder Industrieprojekten. Sie hängt ebenso von Unternehmen ab, die ihre Mitarbeiter wertschätzen, von engagierten Unternehmern, die das gesellschaftliche Leben bereichern, und von einer Stadt, die Menschen nicht nur Arbeit, sondern auch Lebensqualität bietet.
Die ausgezeichneten Arbeitgeber und die Publikumslieblinge des Jahres 2026 zeigen, dass Cottbus dafür bereits über eine beachtliche Grundlage verfügt.
Alle 31 ausgezeichneten Arbeitgeber 2026
Bertrandt Technology Germany GmbH, Bioladen Schömmel, BMFP Physiotherapie, Caritasverband der Diözese Görlitz e.V., DF Energietechnik GmbH, EMB Energie Brandenburg GmbH, ESP e TRONIC GmbH, GMB GmbH, Grow Energy, Handelshof Cottbus GmbH, INROS LACKNER SE Niederlassung Cottbus, IPP Hydro Consult GmbH, Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Regionalverband Südbrandenburg, Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI), KVM+GA, LEAG, mayerwittig, Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem, Müller-Rother Heizung Sanitär GmbH, Orthopädisches Praxiszentrum Thiemstraße, PBIT Systeme GmbH & Co. KG, PtX Lab Lausitz, Regionalwerkstatt Brandenburg e.V., Reha Vita GmbH, Ritter von Gral, SEDULUS Steuerberatungsgesellschaft mbH & Co. KG, SORAT Hotel Cottbus, SOS-Kinderdorf Lausitz, Sparda-Bank Berlin eG, Wertewandel – soziale Innovation und demokratische Entwicklung e.V. und ZAC Personalservice GmbH.
Fotos: Tudyka
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