L.o Redaktion | Landkreis Görlitz
Kreis Görlitz baut Krisenhilfe aus
Neue Einheit hilft bei Katastrophen und schweren Unglücken.
Der Landkreis Görlitz baut die psychosoziale Unterstützung für Menschen nach schweren Unglücken aus. In der Feuerwache Tunnel Königshainer Berge fand die Gründungsveranstaltung für die erste Katastrophenschutzeinheit zur Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) in Sachsen statt. Sie soll bei Großschadenslagen und Katastrophen helfen, wenn die bestehenden Strukturen nicht mehr ausreichen.
An der Veranstaltung nahmen Landrat Dr. Stephan Meyer, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sowie Martina Weber, Zweite Beigeordnete und Sozialdezernentin des Landkreises Görlitz, teil. Die neue Einheit wird schrittweise aufgebaut. Für ihre vollständige Ausstattung sind noch drei vom Freistaat zu beschaffende Einsatzfahrzeuge erforderlich.
Bestehende Krisenintervention bleibt erhalten
Im Landkreis Görlitz begleiten bereits seit vielen Jahren zwei ehrenamtliche Kriseninterventionsteams Menschen nach außergewöhnlich belastenden Ereignissen. Sie unterstützen Überlebende, Angehörige, Hinterbliebene und Zeugen etwa nach plötzlichen Todesfällen, Suiziden oder schweren Unglücken.
Die Helfer geben in akuten Ausnahmesituationen Orientierung und Sicherheit. Sie unterstützen Betroffene dabei, wieder handlungsfähig zu werden, und stellen bei Bedarf Kontakt zum persönlichen Umfeld oder zu weiterführenden Hilfsangeboten her. Beim Hauseinsturz in Görlitz betreuten die Teams beispielsweise über mehrere Tage Angehörige der verschütteten Personen.
Die neue Katastrophenschutzstruktur ersetzt diese Arbeit nicht. Die vorhandenen Kriseninterventionsteams sollen ausdrücklich eingebunden werden. Die Unterstützung bei alltäglichen Einsatzlagen bleibt unverändert bestehen.
Grundlage ist die Novellierung des Sächsischen Brandschutz-, Rettungsdienst- und Katastrophenschutzgesetzes im Jahr 2024. Damit wurde die Psychosoziale Notfallversorgung formal in den Katastrophenschutz integriert.
Zwei Staffeln und weitere Helfer vorgesehen
Nach den Vorgaben des Freistaates muss der Landkreis Görlitz zwei PSNV-Staffeln mit jeweils sechs Einsatzkräften aufstellen. Eine Doppelbesetzung der Funktionen soll die dauerhafte Einsatzfähigkeit sichern.
„Wir beginnen nicht bei null“, betonte Landrat Dr. Stephan Meyer in seiner Ansprache. Grundlage für den Aufbau sind die Erfahrung der ehrenamtlichen Krisenhelfer, ihre fachliche Kompetenz und die bestehenden Organisationen. Zugleich müssen weitere Menschen für die Aufgabe gewonnen und qualifiziert werden.
In der Feuerwache Tunnel Königshainer Berge stehen Umkleide- und Sanitärräume, ein Schulungsraum sowie Fahrzeugstellplätze für Ausbildung, Vorbereitung und Einsatzbereitschaft zur Verfügung.
Rund 30.000 € investiert – Fahrzeuge noch erforderlich
Der Landkreis hat bislang rund 30.000 € in den Aufbau und die Ausstattung investiert und dabei eine zusätzliche Förderung genutzt. Die Mittel flossen unter anderem in Schutzkleidung, Alarmierungstechnik sowie Ausbildung und Qualifizierung.
Für die Beschaffung der drei vorgesehenen Einsatzfahrzeuge ist nach der Katastrophenschutzverordnung der Freistaat Sachsen verantwortlich. Meyer appellierte deshalb an eine zeitnahe Beschaffung: „Der Landkreis Görlitz übernimmt Verantwortung und schafft die Voraussetzungen, die in unserer Zuständigkeit liegen. Unsere ehrenamtlichen Einsatzkräfte sind bereit, sich dieser wichtigen Aufgabe zu stellen. Damit die neue Einheit aber tatsächlich dauerhaft und vollumfänglich einsatzbereit sein kann, benötigen wir auch die vom Freistaat vorgesehenen Fahrzeuge, die in freien Zeitanteilen auch zur Gefahrenabwehr im Landkreis genutzt werden können“.
Fotos: Landratsamt Görlitz, Susanne Lehmann
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