L.o Redaktion | Landkreis Elbe-Elster
Kurswechsel beim Klinikum Elbe-Elster
Landrat nennt Gründe, Fraktionen beraten über Versorgung
Im Landkreis Elbe-Elster ist die Zukunft des kommunalen Krankenhauses neu abgesteckt worden. Bei einem knapp dreistündigen Gespräch in der Kreisverwaltung in Herzberg informierte Landrat Marcel Schmidt die Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen über die wirtschaftliche Lage des Klinikums, den Wechsel in der Geschäftsführung und die nächsten Schritte für die weitere Ausrichtung.
Das Treffen fand am Montag, 11.08.2025, in Herzberg statt. Mit dabei waren Vertreter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Forvis Mazars sowie Interimsgeschäftsführer Mirko Papenfuß.
Wirtschaftliche Lage setzt das Klinikum unter Druck
Forvis Mazars stellte zentrale Ergebnisse einer Statusbestimmung zur wirtschaftlichen und organisatorischen Situation der Elbe-Elster Klinikum GmbH vor. Nach den vorgestellten Erkenntnissen besteht deutlicher Handlungsbedarf. Besonders kritisch ist laut Darstellung, dass die aktuelle Ertragslage die Vermögensrücklage des Klinikums rasch aufzehrt, wenn nicht gegengesteuert wird.
Auch das bisherige Zusammenspiel von Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Gesellschafter wurde kritisch bewertet. Künftig sollen Verantwortlichkeiten und Rollen klarer gefasst und das Zusammenwirken weiterentwickelt werden.
Landrat begründet Wechsel an der Spitze
Marcel Schmidt erläuterte den Fraktionsvorsitzenden die Gründe für die Abberufung und Freistellung des bisherigen Geschäftsführers Michael Winkler. Ausschlaggebend seien die anhaltend negativen wirtschaftlichen Ergebnisse und das fehlende Vertrauen gewesen, dass unter der bisherigen Geschäftsführung die anstehenden Aufgaben mit der nötigen Konsequenz erfüllt und notwendige Veränderungen eingeleitet werden.
Zugleich wies der Landrat Spekulationen über eine Privatisierung zurück. Eine Privatisierung ist nach seinen Angaben aktuell nicht vorgesehen.
Kreistagsbeschluss bleibt Grundlage
Maßstab für die weiteren Entscheidungen ist laut Landrat der Kreistagsbeschluss vom Montag, 07.04.2025. Dieser sieht neben der weiteren Planung eines zentralen Klinikneubaus und der Entwicklung der bisherigen Standorte zu Gesundheitszentren auch eine Alternativvariante vor. Falls der Neubau nicht genehmigt oder finanziert werden kann, soll geprüft werden, ob künftig einer der drei Standorte die stationäre Grund- und Regelversorgung übernimmt.
Die künftige Ausrichtung des Klinikums soll auf dieser Grundlage unter veränderten gesetzlichen, medizinischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiterentwickelt werden. Dabei sollen auch Alternativen ergebnisoffen betrachtet werden.
Wichtige Entscheidungen noch in diesem Jahr
Interimsgeschäftsführer Mirko Papenfuß, der zunächst für zwei Monate eingesetzt ist, skizzierte die Aufgaben seiner Amtszeit. Nach seiner Einschätzung müssen noch in diesem Jahr wichtige Weichen gestellt werden, damit notwendige Veränderungen im kommenden Jahr wirksam werden können.
Dazu gehört, das künftige medizinische Leistungsspektrum für die stationäre Versorgung unter den Bedingungen der Krankenhausreform zu modellieren. Außerdem sollen ambulante und stationäre Angebote stärker zusammengedacht und die Anforderungen des Rettungsdienstes berücksichtigt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist, die Voraussetzungen für die Förderfähigkeit notwendiger Investitionen in die Gesundheitsinfrastruktur zu schaffen. Eine Bestätigung des Fördermittelgebers liegt dafür bislang nicht vor.
Papenfuß machte zudem deutlich, dass die gesundheitliche Versorgung nicht allein innerhalb der Kreisgrenzen betrachtet werden könne. Versorgungsstrukturen und mögliche Kooperationen müssten auch kreisübergreifend gedacht werden.
Austausch mit Beschäftigten an drei Standorten
Parallel zu den politischen Beratungen suchen Landrat Schmidt und Interimsgeschäftsführer Papenfuß den direkten Austausch mit den Beschäftigten an den drei Krankenhausstandorten. Dabei geht es darum, die aktuelle Entwicklung zu erläutern, Fragen aufzunehmen und über die anstehenden Veränderungen ins Gespräch zu kommen.
Nach ersten Gesprächen im zuständigen Ministerium sieht der Landrat grundsätzlich Möglichkeiten, notwendige Investitionen in die künftige Gesundheitsinfrastruktur förderfähig zu gestalten. Die konkreten Planungen müssten jedoch an die weitere Entwicklung und an veränderte Rahmenbedingungen angepasst werden.
„Bei unterschiedlichen politischen Auffassungen muss uns eines verbinden: Wir tragen gemeinsam Verantwortung dafür, dass die Menschen im Landkreis auch künftig eine verlässliche stationäre medizinische Versorgung erhalten“, sagte Landrat Marcel Schmidt.
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