L.o Redaktion
Realitätsfern statt zukunftsfähig
Scharfe Kritik an der Berichterstattung zum Wirtschaftsdialog in Lübben
Lübben / Cottbus, 09. August 2026 – Wer die offizielle Berichterstattung zum jüngsten Wirtschaftsdialog am 6. August in Lübben liest, könnte meinen, die regionale Wirtschaft strotze nur so vor Kraft. Doch hinter den Kulissen der Veranstaltung mit Wirtschaftsministerin Martina Klement sieht die Realität der Unternehmen ganz anders aus. Die Mittelstandsinitiative Brandenburg übt nun deutliche Kritik an der schönfärberischen Darstellung und fordert einen ehrlichen Realitätsabgleich.
Während die Stadt Lübben und die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH (WRL) vor allem Positivbeispiele und Zukunftsvisionen betonen, kämpfen die kleinen und mittleren Unternehmen in der Region mit handfesten Problemen: Die spürbare Rezession, hohe Betriebskosten und enorme bürokratische Hürden belasten den Mittelstand massiv.
Die drängenden Fragen der Wirtschaft blieben unbeantwortet
Experten und Vertreter der Mittelstandsinitiative Brandenburg, die vor Ort an der Veranstaltung teilnahmen, ziehen ein ernüchterndes Fazit. Wichtige und drängende Kritikpunkte der regionalen Akteure wurden in der Nachberichterstattung schlicht ignoriert:
Schleppende Fördermittelauszahlung:
Viele Unternehmen kämpfen mit langwierigen Auszahlungsverfahren. Die notwendige Zwischenfinanzierung zur Sicherung der Liquidität stellt viele Betriebe vor existenzielle Herausforderungen.
Fehlender Nutzen für die Praxis:
Kritisiert wird die Etablierung von „Angebotsforschung“ am Bedarf der Unternehmen vorbei – mit kaum belegbarem Innovationsübergang in die tatsächliche Praxis.
Ungeklärte Kosten- und Standortfragen:
Weder die kritische Gesamtkostensituation der Betriebe noch die Bedenken von Bürgern zu geplanten Großinvestitionen wie im Rüstungsbereich fanden im offiziellen Debatten-Resümee Gehör.
„Waren wir auf einer anderen Veranstaltung?“
„Keine Informationen zur allgemeinen Kritik an der Fördermittelverwendung, kein Wort zu den Bedenken der Bürger, kein Wort zur kritischen Kostensituation – wo bleibt der transparente Realitätsabgleich? Waren wir auf einer anderen Veranstaltung?“, fragt ein Sprecher der Mittelstandsinitiative Brandenburg stellvertretend für viele Anwesende. „Es ist nicht derjenige das Problem, der die Missstände benennt. Nur wenn wir die echten Probleme der Wirtschaft ehrlich ansprechen, können wir praxistaugliche Lösungen für den Strukturwandel finden.“
Die regionalen Betriebe fordern von der Politik und den Wirtschaftsförderern daher mehr Transparenz und echten Dialog statt reiner PR-Veranstaltungen. Um den Wirtschaftsstandort Lübben und die gesamte Lausitz nachhaltig zu stärken, müsse der Fokus dringend auf die Bewältigung der aktuellen Krise und die Entlastung des bestehenden Mittelstands gelegt werden.
Fotos: M.Schmidt
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