L.o Redaktion
Tradition neu denken - Teil 1
Der Laden schließt, die Bäckerei bleibt
Nach mehr als 130 Jahren schließt die Familienbäckerei in Guhrow Ende August ihren Dorfladen. Doch der Bäckermeister Sven Hoffmann gibt den Familienbetrieb nicht auf. Er will die Backstube erhalten und das Unternehmen grundlegend neu ausrichten.
GUHROW – Seit 1892 gehört die Familienbäckerei zum Leben in Guhrow. Vier Generationen haben hier Brot, Brötchen, Kuchen und Feingebäck hergestellt und an die Menschen aus dem Ort und der Umgebung verkauft. Ende August 2026 wird diese Tradition in ihrer bisherigen Form jedoch zu Ende gehen: Der Dorfladen schließt.
Für den heutigen Inhaber Hoffmann ist das eine Entscheidung, die weit über eine wirtschaftliche Frage hinausgeht. Er führt den Familienbetrieb inzwischen in vierter Generation. Selbstständig ist er seit 2009, 2016 übernahm er die Bäckerei.
Lange war für ihn selbstverständlich, dass eine Bäckerei auch einen eigenen Laden braucht.
„Brot, Brötchen, Kuchen, Kekse – morgens backen, Laden aufmachen und verkaufen. Genau so hat es über Generationen funktioniert.“
Doch die Bedingungen haben sich verändert.
Wenn Tradition allein nicht mehr reicht
Vor allem für einen kleinen Handwerksbetrieb im ländlichen Raum sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwieriger geworden. Energie, Personal und laufende Kosten belasten den Betrieb. Gleichzeitig steht hinter wenigen Stunden Ladenöffnung ein erheblicher organisatorischer und personeller Aufwand.
Auch das Einkaufsverhalten hat sich verändert. Viele Kunden kaufen ihre täglichen Backwaren inzwischen beim Discounter, im Supermarkt oder an großen Verkaufstheken.
„Irgendwann muss man sich als Unternehmer die Frage stellen, ob man etwas nur deshalb weitermacht, weil man es schon immer so gemacht hat.“
Die Antwort des Bäckermeisters, der mitten im Leben steht, fällt nicht leicht: Der Laden wird geschlossen.
„Ich schließe den Laden – aber nicht die Bäckerei.“
Denn mit der Schließung soll keineswegs das Ende des Familienbetriebs verbunden sein.
Die Backstube in Guhrow bleibt bestehen. Auch eine Mitarbeiterin bleibt im Unternehmen und unterstützt weiterhin beim Backen und Verpacken. Für Kunden aus Guhrow und der Umgebung wird zudem überlegt, wie Brot und Brötchen auch künftig auf Bestellung angeboten werden können.
„Eigentlich passiert sogar das Gegenteil. Ich versuche, dem Betrieb eine neue Zukunft zu geben.“
Dafür soll sich das Unternehmen künftig stärker auf einen Bereich konzentrieren, der schon heute zum Sortiment gehört: handgemachte Kekse und besondere Cookies.
Aus der klassischen Landbäckerei soll Schritt für Schritt eine spezialisierte Keksfaktur werden.
Ein Abschied – und ein Anfang
Die Schließung des Ladens ist damit nicht das Ende einer 130-jährigen Familiengeschichte. Sie ist der Versuch, diese Geschichte unter veränderten Bedingungen fortzuschreiben.
Die Kekse sollen weiterhin in Guhrow hergestellt werden. Verkauft werden sollen sie künftig jedoch nicht mehr ausschließlich in der Region. Ein eigener Onlineshop und der Vertrieb über Händler sollen neue Absatzwege eröffnen.
Ob dieses neue Geschäftsmodell funktioniert, ist heute noch offen.
Genau deshalb soll die Entwicklung der Bäckerei über mehrere Monate begleitet werden.
Der erste Schritt ist getan: Ende August schließt der Laden. Die Backstube bleibt. Und in Guhrow beginnt damit der Versuch, aus einer alten Tradition etwas Neues zu entwickeln.
Fortsetzung folgt: Warum ausgerechnet Kekse?
Grafik: Sven Hoffmann
Foto: Sven Hoffmann
Ähnliche Beiträge
Natur & Umwelt
Wasserentnahme im Spreewald untersagt
Gesellschaft
Freibad Ortrand feiert 100 Jahre
Verkehr & Infrastruktur
K 8682 bei Bischdorf wird gesperrt
Natur & Umwelt
Cottbus verbietet Wasserentnahme
Gesellschaft
Erstes Hafenfest startet in Lübben
110, 112
Polizei sucht Mann in Vetschau
Bildung & Wissenschaft
Vorlesestunde in Spremberg
110, 112
Polizeimeldungen aus Elbe-Elster
110, 112
Einbruch und Unfälle im Kreis OSL
110, 112
Aktuelle Polizeimeldungen LDS
110, 112
Aktuelle Polizeimeldungen Cottbus und SPN
Gesellschaft
Einmaliges Pilotprojekt für Sportplatz Kolkwitz
Politik & Kommunales
Bürgergespräch mit Landrat Udo Witschas


