L.o Redaktion
Wirtschaftsdialog „Zukunft Lausitz“ in Senftenberg
Mittelstand, Bürokratieabbau und neue Perspektiven im Fokus
Senftenberg, 07. Juli 2026 – Am Abend des 6. Juli kamen im Rathaussaal Senftenberg rund 40 Vertreter der regionalen Wirtschaft zusammen, um auf Einladung von Bürgermeister Pfeifer mit Wirtschaftsministerin Klement (CSU) über die wirtschaftliche Entwicklung der Region zu diskutieren. Im Zentrum des von MdL Brüning (CDU) initiierten Dialogs „Zukunft Lausitz“ standen die Stärkung von Industrie und Handwerk, der notwendige Bürokratieabbau sowie die alltäglichen Herausforderungen der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU).
Aktionsprogramm für den Mittelstand und neue Wertschöpfung
In ihrer federführenden Ansprache skizzierte Wirtschaftsministerin Klement ein umfassendes Aktionsprogramm bis 2029, das gezielt Handwerk und Industrie stärken soll. Zentrale Bausteine hierbei sind die Einführung eines Meisterbonus sowie die Unterstützung der Unternehmensnachfolge, etwa durch die Nachfolgezentrale Cottbus. Auch Bereiche wie Dorfkneipen und der Ortstourismus bräuchten weiterhin Unterstützung. Die Ministerin betonte zudem das enorme wirtschaftliche Potenzial der Wehrindustrie, wie die jüngste ILA gezeigt habe, und forderte, dass Brandenburg hier nicht „an der Seitenlinie“ stehen dürfe.
Neuansiedlungen müssten besser mit bestehenden Unternehmen in der regionalen Wertschöpfungskette verzahnt werden. Trotz künftig sinkender Fördermittel und einer landesweiten Neuausrichtung der Förderperioden sehe Ministerin Klement die Region auf einem hervorragenden Weg: Das jüngste Dynamikranking des DIW sehe Cottbus weit vorn und verbuche 80 Prozent Brandenburgs als Gewinnerregionen.
„Wir sollten uns nicht schlechtreden, sondern den Entwicklungen positiv entgegensehen“, lautete ihr Appell.
Die internationale Ausrichtung soll durch den Ausbau der Beziehungen zu Polen (Stichwort Ostbahn) sowie die Suche nach einer Partnerregion in der Ukraine für das „Net Zero Valley“ (NZV) weiter forciert werden.
Energie und radikaler Bürokratieabbau als Standortfaktoren
Einig war man sich in der Bedeutung der Energieversorgung als Basis für den Wirtschaftsstandort. Brandenburg müsse stärker vom weitreichenden Ausbau der Erneuerbaren profitieren. Dafür seien jedoch ein schnellerer Netzausbau sowie die Schaffung von Speicherkapazitäten zwingend erforderlich. Perspektivisch plant der Bund zudem Gaskraftwerke zur Grundlastsicherung.
Gute Nachrichten gab es beim Thema Bürokratie: Das Vergabegesetz soll zum Jahreswechsel komplett abgeschafft werden. Auch auf Bundesebene existiert eine Initiative zur Abschaffung diverser Dokumentationspflichten. Jeder werde hier seinen Beitrag leisten müssen, wobei man mutig vorangehen müsse.
Deutliche Kritik und Impulse aus der Unternehmenspraxis
In der anschließenden, intensiven Diskussionsrunde kam der Mittelstand zu Wort. Ralf Henkler (BVMW) übte scharfe Kritik an den Bearbeitungszeiten der JTF-Mittel, die bis zu neun Monate andauern. Er forderte die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) auf, befristete Zwischenfinanzierungen anzubieten, und bemängelte die inkonsequente Umsetzung von Präqualifizierungen. Auch praxisferne Regelungen, wie das Verbot der Eigenstromnutzung bei der Abschaltung von PV-Anlagen, sowie die mangelnde Berücksichtigung regionaler Firmen bei der Vergabe von Großprojekten stießen auf Unmut.
Wichtige Impulse im Bereich Bildung und Fachkräfte kamen vom Unternehmensberater Holger Stroisch. Er forderte, dass wirtschaftliches Verständnis und Gründungskonzepte bereits fest in der Schulbildung verankert werden müssten. Zudem hob Stroisch die Bedeutung von Sprachkompetenzen – explizit auch Russisch zur Stärkung zukünftiger Diplomatie- und Handelsfähigkeiten – hervor. Er kritisierte, dass die Innovationskraft kleiner Unternehmen oft übersehen werde und der administrative Alltag schwer auf ihnen laste, obwohl gerade der Mittelstand seit der Nachkriegszeit die wirtschaftliche Entwicklung maßgeblich getragen habe.
Ein weiterer Unternehmer übte während der Runde deutliche Kritik an den Behörden: Er bemängelte die mangelhaften Kommunikationsprozesse im Landesamt für Umwelt (LfU) im Zusammenhang mit dem Net Zero Valley, wodurch Verfahren unnötig in die Länge gezogen würden.
Ministerin Klement verspricht Lösungsansätze und mehr Pragmatismus
Wirtschaftsministerin Klement griff die Kritikpunkte direkt auf und signalisierte Handlungsbereitschaft. Die Prozesse der ILB stünden bereits auf der Agenda; künftig müsse die Wirtschaftsförderung zudem stärker über die Hausbanken laufen. Sie sprach sich dafür aus, Generalunternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen und neue Investitionsanreize für Unternehmen zu schaffen.
Dem Fachkräftemangel müsse man mit bundesweiten Mobilitäts- und Qualifizierungskonzepten begegnen, da bisherige Maßnahmen oft zu langwierig seien. Innovativen Lösungsansätzen, wie dem Einsatz von KI in der Verwaltung (am Beispiel Ortrand), müsse man sich mutiger öffnen. Die Ministerin versprach abschließend, die betroffenen Akteure bei der Suche nach konkreten Lösungen künftig noch direkter einzubinden.
Fotos: M.Schmidt
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