ZVVO-Tarif: Mehr Fahrten, höhere Preise
Ostsachsen bekommt Übergangslösungen und neue Echtzeitdaten.
In Ostsachsen hat der Zweckverband Verkehrsverbund Ostsachsen erste Entscheidungen für einen gemeinsamen Tarif getroffen. Für Fahrgäste zwischen den bisherigen Verbundräumen gibt es bereits spürbare Änderungen: mehr nutzbare Tickets, digitale Echtzeitdaten und ab Freitag, 01.08.2025, höhere Preise im ZVON-Tarif.
Der ZVVO beschloss auf seiner zweiten Sitzung in Dresden die Vergabe einer Studie für einen künftigen Einheitstarif in Ostsachsen. Dieser soll mittelfristig die bisherigen Verbundtarife für Oberlausitz-Niederschlesien und die Region Oberelbe ablösen. Die Studie soll mindestens zwei Tarifmodelle entwickeln und deren Auswirkungen auf Nachfrage und Einnahmen prüfen. Betrachtet werden dabei sowohl der Verbund insgesamt als auch die 21 Verkehrsunternehmen im Gebiet.
Die ersten Arbeiten sollen noch im Sommer beginnen. Für die Erarbeitung des neuen Tarifs rechnet der ZVVO mit etwa 1,5 bis 2 Jahren. Erst danach könnten bei einem positiven Beschluss, den nötigen Vorbereitungen und den Genehmigungen weitere Schritte folgen. Eine Einführung des neuen Tarifs wäre demnach frühestens nach einem weiteren halben Jahr möglich.
Erste Übergangslösungen gelten bereitsSchon umgesetzt sind erste tarifliche Zwischenlösungen. Seit Samstag, 14.06.2025, können deutlich mehr Menschen rund um Bautzen, Wilthen und Bischofswerda das Katzensprungticket für Fahrten nach Dresden nutzen. Zudem ist die im VVO etablierte App FAIRTIQ nun auch im ZVON und verbundübergreifend aktiv. Fahrgäste checken beim Einsteigen ein und beim Aussteigen aus. Ein Tarifrechner ermittelt im Hintergrund den günstigsten Preis für die Fahrt.
Noch offen ist die gegenseitige Anerkennung der Bildungstickets von VVO und ZVON. Nach Angaben des ZVVO sind dabei sowohl Finanzierungsfragen mit den Verkehrsunternehmen als auch Überlegungen des Freistaats zu einem landesweiten Bildungsticket relevant.
Echtzeitdaten jetzt in beiden VerbundräumenBereits umgesetzt wurde auch die digitale Vernetzung der beiden Verbundräume in den Auskunftsmedien. In der App VVO mobil sowie in den Fahrplanauskünften der beiden Verbünde können Nutzer nun für fast alle Zug-, Straßenbahn- und Busfahrten der 21 Verkehrsunternehmen in Ostsachsen Echtzeitdaten abrufen. Die tatsächlichen Fahrzeiten sind außerdem im DB Navigator verfügbar. Auch zahlreiche Verbindungen in benachbarten Regionen in Polen und Tschechien werden mit aktuellen Fahrzeiten angezeigt.
ZVON erhöht Preise zum 1. AugustWegen stark gestiegener Energiekosten und höherer Aufwendungen, vor allem beim Personal, wird der ZVON-Tarif zum Freitag, 01.08.2025, angepasst. Die Ticketpreise steigen im Durchschnitt um 7,3 Prozent. Unverändert bleiben das Deutschlandticket und das BildungsTicket.
Nach Angaben des ZVVO decken diese beiden besonders häufig genutzten Angebote die tatsächlichen Beförderungskosten jedoch nicht. Die Zuschüsse von Bund und Freistaat für das Deutschlandticket sowie die Zuschüsse des Freistaats für das Bildungsticket seien zwar zunächst gesichert, die Lage bleibe wegen der geringen Dynamisierung aber angespannt. Die Tarifanpassung gleiche den Kostendruck nur teilweise aus. Die verbleibende Lücke müsse entweder durch höhere öffentliche Zuschüsse oder durch Leistungskürzungen geschlossen werden.
Mehr Kapazität für die Strecken nach Görlitz und Zittau geplantAuch im Ostsachsennetz sieht der ZVVO Handlungsbedarf. Auf den Strecken Dresden–Görlitz und Dresden–Zittau sind die Fahrgastzahlen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Besonders zwischen Bischofswerda und Dresden kommt es laut ZVVO regelmäßig zu überfüllten Zügen der Länderbahn.
Das Angebot wurde bereits ausgeweitet. Inzwischen werden rund 20 Prozent mehr Fahrzeugkilometer erbracht als ursprünglich geplant. Dennoch steht montags bis freitags in der Hauptverkehrszeit faktisch keine Fahrzeugreserve mehr zur Verfügung. Zusätzlich verschärft sich die Lage in diesem Jahr, weil planmäßig stets zwei Triebwagen gleichzeitig zur Hauptuntersuchung sind und damit wochenlang fehlen.
Beschlossen ist bereits die Erweiterung der Flotte um fünf Triebwagen. Diese sollen ab Jahresende für den Betrieb vorbereitet werden und im Laufe des Jahres 2027 zum Einsatz kommen. Für einen möglichen Ersatzzug laufen derzeit Gespräche. Um zusätzliche Kosten teilweise abzudecken, gab die Verbandsversammlung dafür Mittel frei.
Das Gebiet des ZVVO umfasst die Landeshauptstadt Dresden, die Große Kreisstadt Görlitz sowie die Landkreise Bautzen, Görlitz, Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit insgesamt 1,6 Millionen Einwohnern. Der kommunale Zweckverband ist für den Schienenpersonennahverkehr verantwortlich und gestaltet gemeinsam mit den örtlichen Verkehrsunternehmen einen einheitlichen Tarif.
Grafik: ZVON
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