L.O Redaktion | ZVON Christine Nützsche
Nahverkehr Oberlausitz vom Auto dominiert
Neue Daten helfen bei Bus- und Bahnplanung bis 2035.
In der Oberlausitz liefert eine neue Mobilitätsstudie wichtige Grundlagen für die weitere Planung von Bus und Bahn. Untersucht wurden der Altkreis Bautzen und der Landkreis Görlitz. Der heutige Zweckverband Verkehrsverbund Ostsachsen, ZVVO, nutzt die Ergebnisse für die gesetzlich vorgeschriebene Fortschreibung des Nahverkehrsplanes im früheren ZVON-Tarifgebiet.
Für die Erhebung befragte das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft GmbH im Auftrag des damaligen Zweckverbandes Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien, ZVON, rund 5.000 Personen aus etwa 3.000 Haushalten. Die Befragung lief von Montag, 27.10.2025 bis Sonntag, 14.12.2025, ergänzt durch eine Nacherhebung im Januar 2026. Die Rücklaufquote lag bei 7,4 Prozent.
Auto prägt den Alltag in der Region
Die Studie beschreibt die Region klar als autogeprägt. Rund 90 Prozent der Haushalte besitzen mindestens einen Pkw. Im Durchschnitt stehen 1,5 Autos pro Haushalt zur Verfügung. Mehr als 80 Prozent der Menschen sind täglich außer Haus, an Werktagen sogar fast 90 Prozent.
Öffentlicher Nahverkehr bleibt stabil
Trotz der ländlichen Struktur werden im ZVON-Tarifgebiet rund 12 Prozent aller Wege mit dem öffentlichen Nahverkehr zurückgelegt. Damit liegt die Region laut Studie nahezu auf dem sächsischen Vergleichswert der Erhebung Mobilität in Deutschland 2023.
In Görlitz liegt der Anteil von Bus und Bahn bei etwa 15 Prozent. Dort fällt auch der hohe Anteil an Fußwegen auf. Im ZVON-Teil des Landkreises Bautzen verweist die Auswertung auf positive Effekte durch das PlusBus- und TaktBus-Konzept sowie die Schienenanbindung.
Einzelfahrschein am häufigsten genutzt
Bei den Tickets liegt der Einzelfahrschein vorn. Etwa 43 Prozent der Nutzer von Bus und Bahn nennen ihn als häufigstes Ticket. Das Deutschland-Ticket ist ebenfalls fest etabliert und wird von rund 23 Prozent der ÖPNV-Nutzer am häufigsten verwendet.
Als wichtiger Grund für seltene Fahrten mit Bus und Bahn nennt die Studie vor allem die ständige Verfügbarkeit eines Autos. Der Preis spielt laut Auswertung eine eher untergeordnete Rolle.
Haltestellen oft schnell erreichbar
Rund 80 Prozent der ÖPNV-Nutzer erreichen ihre Haltestelle in etwa fünf Minuten zu Fuß. Viele wünschen sich dennoch häufigere Verbindungen und mehr Flexibilität.
Kinder und Jugendliche nutzen Bus und Bahn am stärksten
Die höchste Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zeigt die Altersgruppe der 0- bis 17-Jährigen. Ihr Anteil liegt bei rund 28 Prozent. Laut Studie bilden Kinder und Jugendliche damit derzeit das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs in der Region. Zusätzliches Potenzial sehen die Autoren vor allem bei älteren Menschen.
Weitere Daten folgen im August 2026
Die jetzt vorliegenden Zahlen bilden den sogenannten infas-Teil der Erhebungen im ZVON-Tarifgebiet. Ergänzend ließ der ZVON von August 2025 bis Februar 2026 mit Unterbrechungen Fahrgäste in Fahrzeugen zählen. Beauftragt wurde damit die MOTUS Verkehr und Planung GmbH. Deren Ergebnisbericht wird im August 2026 erwartet.
Die Studie blickt außerdem bis 2035. Demnach hängt der künftige Anteil des öffentlichen Verkehrs vor allem vom Angebot ab. Ohne Verbesserungen dürfte der Anteil weitgehend stabil bleiben. Verschlechterungen würden Fahrgäste kosten. Gezielte Verbesserungen, besonders in der Fläche und für ältere Menschen, könnten zusätzliche Nutzer gewinnen.
Auch die grenzüberschreitende Mobilität bleibt ein Thema. Genannt werden unter anderem das Euro-Neiße-Ticket und Wünsche nach günstigeren Kurzstreckenangeboten ins benachbarte Ausland.
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